• Zaje

    Achtung, heute wird es etwas düsterer ;) [:heavy_exclamation_mark:TW: Suizid, Gewalt, Gewalt an Kindern:heavy_exclamation_mark:]

    :sparkles: 5. DezemberDer Fluch :sparkles:

    Es war ein Fluch, der seit Jahren auf ihm lastete. Hatte er sich anfangs tagtäglich darüber geärgert, fand er sich inzwischen damit ab. Zumindest irgendwie.
    Sein Bruder war schuld daran, dass er nun in Diensten des bärtigen Mannes stand. Er war gestorben bevor er seine Pflicht hatte antreten können und so war der Fluch auf ihn übergegangen. Wäre sein feiger Bruder also nicht schwach geworden, hätte er ein völlig normales Leben führen können.
    Für einen Tag im Jahr durfte er sein Gefängnis verlassen. Doch selbst dann war er nicht frei. Er musste seinem Meister gehorchen und ihm die bösen Kinder bringen. Die Strafen waren früher harmlos gewesen, doch mit den Jahren war seinem Meister langweilig und die Strafen härter geworden. Die bösen Kinder von damals waren mit Kohlestückchen beschenkt worden. Einige Jahre später bewarf er sie damit. Vor drei Jahren hatte er begonnen, sie ihnen in den Rachen zu stopfen.
    Oder nein … eigentlich hatte er es selbst machen müssen, auf Befehl seines Meisters hin. Immerhin war dieser der Nikolaus und sollte so etwas herauskommen, würde man ihn am 6. Dezember nicht mehr auf die Straße lassen. Darum hatte er sich ja seinen Diener besorgt: den Krampus. In der inzwischen 5. Generation war er dem Nikolaus treu ergeben und musste ihm gehorchen.

    Der 5. Dezember war gekommen und der Nikolaus holte den Krampus aus seinem Käfig. Die Hörner waren im letzten Jahr noch länger geworden und er musste aufpassen, dass er sich nicht verletzte. Er sah kaum wo er hintrat, denn das Fell, das in seinem Gesicht wucherte, bedeckte fast zur Gänze seine Augen.
    Mit penibler Sorgfalt begann der Nikolaus höchstselbst das Sichtfeld des Krampusses zu erweitern. Wie jedes Jahr wurde ihm das gesamte Fell gestutzt, bevor seine eigene Rute an ihm ausgetestet wurde. Die Zweige wurden so lange ausgetauscht, bis der Krampus in die Knie ging. Erst dann war die Rute gut genug.
    Danach wurden seine Hörner auf Hochglanz poliert, bevor ihm der Nikolaus die schweren Kuhglocken um die Hüften band. Zum Schluss schnallte man dem Krampus noch einen großen Korb auf den Rücken, in dem er die bösen Kinder einfangen würde.
    Es war bereits Nachmittag, was hieß es würde nicht mehr lange dauern, bis es losging. Die Spannung im Dorf war greifbar.
    Jedes Jahr aufs Neue war es ein Spektakel. Man entzündete Fackeln, die neben der Straße befestigt wurden, um für Licht zu sorgen. Schnee rieselte auf die Erde und sorgte für eine beinahe romantische Stimmung. Sämtliche Familien versammelten sich am Marktplatz; es brachte nichts sich zu Hause zu verstecken. Der Krampus würde sie überall finden.
    Es war allgemein bekannt was für schreckliche Dinge der Krampus all jenen Kindern antun würde, die das letzte Jahr über unartig gewesen war. Und trotzdem wurden der Nikolaus und sein dunkler Begleiter mit Spannung, ja beinahe mit Freude, erwartet. Die mutigsten Kinder würden sich wieder an das „Kramperltratzen“ wagen: Sie würden Steine nach ihm werfen, oder ihn mit selbst gebastelten Ruten schlagen und provozieren. Wer Glück hatte und schnell genug war, entwischte dem Korb. Wer Pech hatte, spürte die Rute oder landete als einer der ersten in seinem Korb.

    Draußen begann es zu dämmern; die Nacht würde schnell hereinbrechen. Der Schneefall hatte aufgehört, als würde er ahnen, dass gleich etwas passieren würde, von dem er nicht Zeuge werden wollte.
    Als die Kirchenglocke 18:00 Uhr schlug, ging es los. Der Nikolaus schickte seinen Diener vor und folgte ihm in einigem Abstand auf einem Schlitten, der von weiteren Dienern gezogen wurde. Die Menschen waren froh den heiligen Nikolaus schon am 5. Dezember zu sehen. Es gab ihnen Sicherheit. Er würde ein wachsames Auge auf ihre Kinder haben; sie beschützen. Dabei war er es, den sie fürchten sollten!
    Der Krampus wollte es ihnen sagen, sie warnen, doch der Nikolaus hatte ihm die Stimme gestohlen. Nur ein grausames Grölen und Brüllen entrang seiner Kehle, was den Dorfbewohnern nur noch mehr Angst machte.
    Die schweren Kuhglocken an den Hüften des Krampusses durchbrachen die andächtige Stille des Abends. Kleine Kinder begannen zu weinen, weil sie nicht verstanden, was nun passieren würde.
    Der Krampus wusste, welche Kinder er mitnehmen musste. Eine knappe Stunde lief er durch das Dorf und warf ein Kind nach dem anderen in seinen Korb. Nach dieser Stunde waren nur fünf Kinder in seinem Korb – weniger als sonst.
    Zurück im Haus des Nikolaus brachte der Krampus die Kinder in den Kohleraum, wo er sie bestrafen musste. Es brach ihm das Herz, doch er konnte sich gegen den Fluch nicht wehren. Außer er würde den gleichen Weg gehen, wie sein Bruder einst; das wäre die einzige Möglichkeit um dem Fluch zu entkommen.

    Nachdem der Nikolaus die Kinder wieder ins Dorf zurückgebracht hatte, kümmerte er sich um den Krampus. Zuerst wurden ihm Korb und Glocken abgenommen und es fühlte sich an, als würde man ihm eine riesige Last abnehmen.
    Danach kam die Strafe. Die Strafe, dass der Krampus seine Rute nicht oft genug verwendet hatte. Die Strafe, dass er nicht genug Kinder mitgenommen hatte; als wäre es seine Schuld, dass es in diesem Jahr fast keine unartigen Kinder gegeben hatte. Der Nikolaus schlug so oft auf ihn ein, bis er nur noch einzelne Reisigzweige in den Händen hielt.
    Während der ganzen Prozedur fragte sich der Krampus, wie es wäre, wenn er frei wäre. Würde er in den Himmel kommen? Vermutlich nicht. Wer war er schon? Er war nur ein Biest, gefangen in einem Käfig.
    Und in genau diesem, stellte er eines fest: Er war viel zu feige, um den Fluch auf den nächsten Erben zu übertragen. Wie konnte er jemandem etwas aufbürden, das er selbst kaum verkraftete?
    Da kam ihm ein Gedanke: Vielleicht war sein Bruder doch der mutigere von ihnen beiden gewesen.

    Das Licht wurde gelöscht und der Krampus wurde für die nächsten 365 Tage wieder sich selbst überlassen. Die Mahlzeit, die man ihm einmal täglich brachte, lenkte ihn kaum von seinen Gedanken ab. Doch was änderte das schon? Der Fluch dauerte an und der nächste 5. Dezember kam bestimmt.

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  • Zaje

    Ich muss mich leider schon wieder von euch verabschieden, war grade duschen und bin da schon fast eingeschlafen :sweat_smile: Ich hoffe aber, dass ich das Abenteuer irgendwann zur Gänze mitmachen kann :heart_eyes:
    Viel Spaß und viel Erfolg wünsch ich euch noch :gift_heart: und danke @Cassiopeia fürs Abenteuer :blush::gift_heart:

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  • Zaje

    @azul_celeste :gift_heart:
    Danke dir :smile: Ich stelle mir das mit dem Baum auch so schön vor, grade in der Weihnachtszeit, wenn alle miteinander verbunden sind und niemand alleine sein muss. (Die zwei Eichhörnchen (und ihre Nachbarn xD) bekommen irgendwann hoffentlich ihre eigene Abenteuerreihe :grin::heart_eyes:)

    @marinacgn Dankeschön! :smile::gift_heart:

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  • Zaje

    So eine schöne Geschichte @azul_celeste 😄💝 hat mir heute schon den Tag versüßt 😊

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Es scheint als hättest du die Verbindung zu Schreibnacht verloren, bitte warte während wir versuchen sie wieder aufzubauen.