• NelaNequin

    [Politik] [Sonstiges] Die Geschichte des Kolonialismus (Teil 1)
    Eine Zusammenfassung über die Geschichte des Kolonialismus - hier im Rahmen von den amerikanischen Kontinenten und Afrika.

    Verfasst in Schreibnacht-Blogs weiterlesen
  • NelaNequin

    Nicht wirklich, da die meisten meiner Charaktere irgendwie mit Dienstleistungen arbeiten (sofern man Söldnerei als Dienstleistung ansehen will - aber eigentlich ist es das ja).

    Ich habe allerdings immer noch das Ziel irgendwann einmal eine High Fantasy Geschichte über eine Köchin zu schreiben!

    Verfasst in Schreibnacht Montagsfrage weiterlesen
  • NelaNequin

    Kommt drauf an, wie wichtig es ist. Bei Mosaik habe ich eine Tagestimeline (aber da sind die Kapitel auch mit Datum benannt lol), bei “Der Schleier der Welt” habe ich meistens nur so eine grobe Planung, außer bei den Bänden, in denen nicht so viel Zeit vergeht.

    Verfasst in Schreibnacht Montagsfrage weiterlesen
  • NelaNequin

    [Buchbranche] Frauen lesen - wenn “egal” nicht egal ist
    Ich höre ganz oft von Menschen, dass es ihnen egal ist, ob ein Buch von einem Mann oder einer Frau (oder einem nicht-binären Menschen) geschrieben wurde. Dennoch ist es nicht selten der Fall, dass ihre Bücherregale von Büchern von Männern gefüllt sind. Das ist kein Zufall. Ich versuche ein wenig zu erklären, wie es dazu kommt und wie Buchhandel und (große) Verlage oft dazu beitragen. Inklusive ein paar Statistiken.

    Verfasst in Schreibnacht-Blogs weiterlesen
  • NelaNequin

    Also wie ich das verstehe hast du eigene Namen für Tag, also das Tag nicht länger Tag heißt, sondern XYZ, korrekt?

    Es geht nicht darum, dass Montag, Dienstag, Mittwoch usw. andere Namen haben, oder?

    Wenn ja, ist der Grund an sich - in meinen Augen - recht einfach: Als Fantasy-Autor’innen mit einer eigenen Welt, übersetzen wir immer. Schließlich heißt in der Welt Haus nicht Haus sondern X, und Himmel nicht Himmel sondern Y und Sonne nicht Sonne, sondern … Du weißt schon, oder?

    Entsprechend fühlt es sich unnatürlich an, Worte als Fremdworte sozusagen drinzulassen, die eine konkrete Übersetzung haben. Denk dir einfach, statt einer eigenen Sprache, wären die Worte auf Englisch. Würdest du dann “day” statt Tag schreiben?

    Persönlich finde ich es dann auch störend. Es erinnert mich immer an Leute, die Fanfictions schreiben, speziell im Anime/Manga Bereich, und dann random Wörter, die sie im japanischen Kennen, japanisch reinschreiben. Frei nach dem Motto: “Sakura kam nach Hause und legte das Seifuku ihrer Gakkou ab, ehe sie in die Küche ging, um ihre O-kaa-san zu begrüßen.” Das stört einfach den Textfluss, weil wir eben auch Wörter dafür haben.

    Anders sieht es aus, wenn es Dinge sind, die zwar ähnlich, aber eben nicht ganz dasselbe sind und wo eventuell eine Spezifizierung notwendig wird. Wo wir bei Japan sind: Ein Kimono ist kein Kleid, als sehr simples Beispiel. Es macht also Sinn Kimono als eigenes Wort zu behalten.

    Daraus nun auf dein Beispiel weiter gedacht aber die Frage: Wovon macht man hier eben die Zeiteinheiten abhängig? Denn die Sache ist: Während man über Stunden, Minuten und dergleichen Streiten kann, sind Tag, Jahr von allem, was wir wissen, für einen bewohnten Planeten relativ wahrscheinlich. Monat könnte auch wahrscheinlich sein. Sprich: Der Planet dreht sich ziemlich sicher selbst, das heißt es gibt Tag und Nacht, das heißt es wird in den meisten Sprachen ein Wort für Tag geben. Dieser Planet umkreist wahrscheinlich ebenfalls um eine oder zwei Sonnen und wird aus Habitationsgründen dabei wahrscheinlich einen Winkel in seiner Achse haben (um Wetter, wie wir es kennen, zu erlauben), das heißt es gibt ein Jahr, dass sich durch Sonnenstände und wahrscheinlich auch Wetterveränderungen im Laufe des Jahres abgrenzen lässt. Vielleicht gibt es einen stabilisierenden Trabanten, der den Planeten umkreist und daher verschieden am Himmel erscheint, oder sonstige Dinge, die dieses Jahr in Mittelgroße Zeitabschnitte teilen lässt (und seien es Jahreszeiten). Soll heißen: Zumindest Worte für Tage und Jahre sollte es geben, dazwischen wahrscheinlich irgendetwas, um Zeitzählung einfacher zu machen. Das heißt: Selbst wenn es mehrere bewohnte Planeten gibt, wird man wahrscheinlich auf diesen diese Zeitabschnitte haben und evtl. dann eben ein “Ein Tag auf Planet A ist 2,5 Tage auf Planet B lang”, mit vielleicht einer von einem Planeten aus genormten Zeitzählung.

    Stunden und dergleichen können natürlich komplett anders eingeteilt werden. Wonach man dabei geht … das kann vielfältig sein und geht letzten Endes auch bei uns darauf zurück, dass irgendwann in der Antike halt mal welche gesagt haben “Wir machen es so” und weil sonst niemand einen besseren Vorschlag hatte, haben alle mitgemacht. Da eigene Worte zu haben, wenn es ganz andere Zeiteinheiten sind, find ich per se nicht schlimm, solange es nicht zu verwirrend wird.

    Und das verwirrende sehe ich durchaus als ein Problem. Dahingehend würde ich auch überlegen, ob es eine vernünftige “Übersetzung” für die Zeiteinheit gäbe (und sei es, dass man statt Sekunden Herzschläge verwendet oder statt Stunde “Klick” sagt), damit Leser’innen nicht jedes Mal, wenn sie ein paar Tage nicht zum Lesen gekommen sind, Vokabeln nachschauen müssen. (Ich habe gut eine englische Reihe im Kopf, bei der halt sämtliche Militärsränge eigen benannt waren mit dem Problem, dass als Band 2 herauskam, die meisten Leser’innen da saßen und keine Ahnung mehr hatten, was jetzt bitte was beschreibt. Viele wollen halt verständlicherweise zum Lesen eines Buches nicht auf ein Wiki angewiesen sein.)

    Sehe ich übrigens auch mit anderen Wörtern so. Nehmen wir bspw. König und Königin, da du es nennst. Ich bin nun selbst sehr kritisch, dass bei uns diese Worte für diverse andere Kulturen und deren Anführer’innen verwendet wurden, obwohl diese vielleicht tatsächlich demokratisch erwählt waren (bevor Demokratie bei uns so weit verbreitet war) oder eine ganz andere gesellschaftliche Rolle spielten, als es in Europa der Fall gewesen wäre. Dabei lasse ich die binäre geschlechtereinteilung und sprachlicher aufteilung, die nicht auf alle Kulturen zutraf mal ganz außen vor. Daher würde ich es bei so etwas davon abhängig machen, wie viel Übereinstimmung die gesellschaftliche Rolle, die du damit beschreibst, mit unserer üblichen Vorstellung hat. Ist es de facto dasselbe? Dann sag lieber König (eventuell das eigentliche Wort als Titel lassen - so wie einige in Deutschland ja von “Queen Elizabeth - Königin von England” sprechen). Ist es was anderes macht das eigene Wort schon Sinn. Doch wie gesagt: Ich habe schon Fälle gesehen, wo Geschichten dann zwischen zwei Bänden Leser’innen verloren haben, weil durch so viele Fremdwörter es einfach nicht möglich war wieder hereinzukommen.

    tl;dr: Ich rate, alles, was sich in seiner Funktion ins Deutsche (oder die Sprache, in der du schreibst) überführen lässt, auch zu überführen, also zu übersetzen. Zu sagen, dass eine Woche zehn Tage und zwei Wochen ein Monat sind, ist für Leser’innen einfach leichter zu verarbeiten, als für alles neue Begriffe einzuführen, die aber eigentlich dieselbe Funktion erfüllen. Denn je komplexer es wird, desto schwerer ist es für Leser’innen reinzukommen oder nach einer Lesepause (sei es, weil gerade keine Zeit, sei es, weil Pause zwischen der Veröffentlichung von Bänden existierte) sich wieder in die Welt einzufinden.

    Verfasst in Schreibhandwerk weiterlesen
  • NelaNequin

    Ich habe heute die Einleitung zu meiner diesjährigen Weblog-Reihe gepostet.

    [Bücher] [Politik] Die Dekolonialisierung der Phantastik
    Die Kolonialzeit hat ihre Spuren in allem hinterlassen. In diversen Regeln unserer Welt, in unserer Kultur und auch unseren Geschichten. In der Reihe will ich zum einen direkt über den europäischen Kolonialismus (von 1500 bis heute) sprechen, aber vor allem auch, wie sich kolonialistische Ideen in dem Genre der Phantastik (Fantasy, SciFi, Horror) niedergeschlagen haben und das Genre teilweise maßgeblich beeinflussen.

    Verfasst in Schreibnacht-Blogs weiterlesen
  • NelaNequin

    [Bücher] [Erfahrungsbericht] Phantastik - aber anders
    Ich habe so häufig in der letzten Zeit immer wieder eine Variation des Folgenden gelesen: “Ich mag ja eigentlich wieder mal Fantasy lesen, aber irgendwie ist das alles dasselbe.” Und so ging es mir bis vor etwas mehr als einem Jahr auch, was ein Grund war, dass ich kaum gelesen habe. Ich erzähle in diesem Beitrag, wie ich das geändert und vor allem Bücher, die vom Standard abweichen, gefunden habe :)

    Verfasst in Schreibnacht-Blogs weiterlesen
  • NelaNequin

    Kommt ein wenig darauf an. Kyra aus Der Schleier der Welt feiert, weil auch ihre Familie feiert. Den Tannenbaumschmuck übernimmt aber komplett ihre Mutter und lässt sich da auch nicht reinfuschen. Aber die unteren Äste bleiben unbehangen, da Watson - der Hund - es eh sonst abreist. Ihre Mentorinnen dagegen feiern eine wilde Mischung aus Yule (weil sie selbst druidisch sind) und Weihnachten (weil der Mann in Deutschland aufgewachsen ist samt deutscher Tradition).

    Bei Mosaik feiert Joanne nicht wirklich, da sie mit dem Kram nichts anfangen kann. Heidenstein dagegen feiert schon, nicht zuletzt da seine Familie drauf besteht.

    Verfasst in Schreibnacht Montagsfrage weiterlesen
  • NelaNequin

    @tine-schreibt sagte in Die Frage nach der Psychotherapie für Prota:

    Wie sehr bist du auf das undiagnostizierte ADHS eingeschossen, bzw. ist es tatsächliches ADHS oder nur umgangssprachliche Unkonzentriertheit/Sprunghaftigkeit? Weil tatsächliches ADHS macht einem das Leben echt schwer, und vor allem undiagnostiziert ist ihr Selbstwertgefühl ohnehin nicht so doll, weil sie für unzuverlässig, unselbständig, chaotisch, rücksichtslos, unfähig, dumm etc. gehalten wird und sie viele essenzielle, selbstverständliche Sachen des Alltags einfach nicht kann. Allein davon wird man schon depressiv, da braucht es nicht mal noch ein Trauma zu. Ich meine, vielleicht betreibt sie Selbstmedikation mit Kokain? Dann könnte sie bis zu ihrem Trauma gut genug funktionieren, um sich selbstwerttechnisch zumindest ein bisschen zu berappeln; ist halt die Frage, was sie von sich denkt, wenn sie harte Drogen braucht, um einfach nur ihren Alltag zu managen. Wie Koks mit depressiven Symptomen interagiert, weiß ich jetzt nicht. Als Upper könnte es theoretisch helfen, aber ein ADHS-Gehirn reagiert anders auf Koks als ein neurotypisches.

    Tatsächliches ADHS.

    Sagen wir es mal so: Das war nicht geplant. Aber ich bin selbst (als Autist) neurodivergent und habe daher das kleine Problem, dass es mir offenbar eh schwerfällt, neuronormale Charaktere zu schreiben. Die Sache ist: Ich hatte ein paar Testleser*innen mit ADHS und es kam von denen, dass Prota sich wie ein Charakter mit ADHS las, weil sie sich allesamt sehr in dem Verhalten des Charakters wiederfanden. Als ich mit denen dann über den Hintergrund des Charakters gegangen bin, meinten sie, dass es noch besser passe. Nachdem ich mich eingelesen habe und ein paar Leute, die auch als Erwachsene erst diagnostiziert wurden, interviewt habe, muss ich dem auch zustimmen.

    Prota ging es halt in ihrer Kindheit recht gut, als ihr Vater noch häufiger daheim war und sie noch mehr Zeit hatte um rauszugehen, man für die Schule nicht so viel machen musste und mit kleinerer Klasse (weil Dorf) ging es mit den Problemen noch. Dann kam die Mittelschule und es wurde alles weniger toll. Vater weg. Weniger Möglichkeit rauszugehen. Größere Klassen. Moral war, dass sie dann zum Klassenclown wurde. Sie ist auch Sitzen geblieben, ist aber irgendwie dennoch (auch durch Druck der Mutter) durch die Schule. Und dann hat sie versucht, zu studieren und da ist dann alles schon ein wenig schief gelaufen. Sie hatte enorme Probleme mit dem selbstständigen Zeitmanagement und allein der Gedanke, zur Uni zu gehen, wurde dann zu etwas, das Übelkeit bereitet hat. Dann starb ihr damaliger Hund, was schon schlimm, war und dann kam ihr Vater ein Jahr später aus Afghanistan im Rollstuhl zurück. Und dann ist sie irgendwann gar nicht mehr zur Uni gegangen und exmatrikuliert worden. Und das hat dann alles zusammen sie richtig runtergezogen.

    Ihr Vater hat dann versucht ihr zu helfen und der Mitbewohner war damals auch für sie da, aber anstatt das Thema so richtig anzugehen, hat sie sich dann Selbstständig gemacht als Privatdetektivin, was aber auch nicht so toll klappt, weil Jobs halt auch nicht von alleine kommen, der Job ganz anders ist, als sie es sich vorgestellt hat (die meiste Zeit ist sie ein glorifizierter Laufbursche,w enn sie überhaupt nen Job hat) und ja … Und dann kam sie halt mit einer Polizistin zusammen. Mit der war es für ganze fünf Wochen toll und dann fing die an, die ganze Zeit an all den Sachen, die mit dem ADHS zu tun haben, rumzumäckeln. Bis Selbstwertgefühl von Prota im Eimer war. Und dann hat sie Schluss gemacht.

    Und das alles führt halt zu der Depression am Anfang und halt auch nem miesen Selbstwertgefühl, selbst wenn sie sich immer wieder versucht einzureden, dass ihre Ex falsch liegt und sie es nur beweisen müsse. Aber dafür fehlt ihr ja die Energie.

    Kokain hat sie glaube ich nie probiert. Sie weiß selbst nicht, was mit ihr falsch ist, und ich glaube nicht, dass sie an Drogen (abseits von Alkohol und Hasch) sich getraut hat viel an Drogen zu probieren. Sie hat zu große Angst vor der Abhängigkeit, glaub ich.

    @tine-schreibt sagte in Die Frage nach der Psychotherapie für Prota:

    Es ist echt scheiße schwer, sich von einem negativen Selbstbild frei zu machen, und dieser Aspekt hinkt jeder Stimmungsverbesserung stark hinterher, weil es zwar auch mit der Hirnchemie zu tun hat, aber sehr viel erlerntes Denken und Verhalten beinhaltet, das man sich erstmal bewusst machen, hinterfragen, durch positivere Sachen ersetzen und die dann ganz langsam üben muss

    Damit habe ich selbst sehr viel Erfahrung. Mobbing, psychischer Missbrauch durch Mutter und ein bis zum 24. Lebensjahr undiagnostiziertes Asperger-Syndrom sind eine miese Mischung. Dahingehend ist auch viel in den Charakter eingeflossen.

    @jeja sagte in Die Frage nach der Psychotherapie für Prota:

    Da deine Prota unter einer Depression leiden soll, wäre es für sie unmöglich, sich über einen neuen Fall zu freuen, weil sie sich nicht freuen KANN.

    Also ich habe jahrelang selbst immer wieder mit Depression zu kämpfen gehabt und bei mir war es durchaus so, dass ich mich freuen konnte - nur, dass die Freude nicht solange anhielt und relativ fix von Zweifeln und miesen Gedanken wieder verdrängt wurde. Das war dann immer ein sehr kurzes High verbunden mit einem kurzen Motivationsschub, der bestensfalls zwei, drei Tage, oftmals aber nur ein paar Stunden anhielt. Was dann natürlich meinerseits dazu geführt hat, dass ich versucht habe irgendwie dieses High wieder zu bekommen.

    Ich war dabei halt in meiner Jugend auch nicht in Therapie, weil damals meine Mutter mich nicht gelassen hat. (Therapie hätte herausgefunden, dass sie mich misshandelt. Also durfte ich natürlich nicht in Therapie und solle mich nicht so anstellen.) Ich weiß daher nicht, wie “schwer” im diagnostischen Sinne meine damalige Depression war - allerings wurde ich später dann mit einer mittelschweren Depression diagnostiziert und zumindest subjektiv gesehen ging es mir in der Jugend mieser. Wenngleich das natürlich auch ein subjektiver Eindruck aus dem Kontext, dass ich damals halt keinen “Safe Space” für mich hatte, ist.

    @jeja sagte in Die Frage nach der Psychotherapie für Prota:

    Dann erklärst du, dass sie sich keine Hilfe suchen will, vor allem weil sie ihre Probleme als klein ansieht im Gegensatz zu anderen, die viel mehr erlebt haben und ebenfalls keine Therapie besuchen. Meine Freundin hat dieser Absatz richtig aufgeregt.

    Die Sache ist halt: Ich kenne ganz viele Leute, die dahingehend halt so sind, wie meine Prota. Genau deswegen finde ich es auch wichtig, das einmal so zu beleuchten. Denn ich habe im Freundeskreis sehr häufig mit erlebt, dass Leute nicht in Behandlung gegangen sind, weil es ihnen halt “doch eigentlich ganz gut geht”. Schließe mich da auch selbst mit ein. (Mir wurde halt die ganze Jugend lang erzählt, ich soll mich nicht so anstellen. Also habe ich es nie in Betracht gezogen, bis ich einen Nervenzusammenbruch hatte.) Aber ich hatte jetzt so oft im Freundes und Bekanntenkreis eben die Fälle von Leuten, denen es “doch eigentlich nicht so schlecht” geht, weshalb sie nicht zum Psychologen wollten. Teilweise auch, weil Eltern ihnen eingetrichtert hatten, dass es ein Zeichen für Schwäche ist oder dass es nur Extreme gibt. Und genau deswegen sehe ich es dahingehend auch als so wichtig an, dass einmal mit aufzunehmen.

    Ich schreibe die Geschichte mit jemanden gemeinsam und derjenige hat sich über drei Jahre, in denen die Depressionen immer schlimmer wurden, was ich gesehen habe und wovor ich auch gewarnt habe, geweigert, das mit einem Arzt zu besprechen oder zum Psychologen zu gehen, weil in seiner Familie ein enormes Stigma gegen psychische Krankheiten existiert. Und er hatte das Gefühl, dass er ein Versager ist, wenn er zum Psychologen geht und ohnehin “Was soll mit jemanden so ein wenig reden denn besser machen? Irgendwelche Pillen nehme ich sicher nicht, die meine Gehirnchemie kaputt machen!” Und um ehrlich zu sein … Ich kenne kaum jemanden im eigenen Bekanntenkreis, die von sich aus erkannt haben, dass sie eine Depression haben - sofern sie nicht selbst mit anderen Leuten umgeben waren, die Depressionen hatten und in Behandlung waren. Und selbst dann ist es nicht immer leicht Leute davon zu überzeugen, dass es Behandlung braucht.

    Daher sehe ich das für wichtig an, das durchaus auch mal zu zeigen und eine Geschichte zu haben, in der jemand genau so denkt, aber halt irgendwann eingestehen muss, dass er oder in diesem Fall sie es eben doch braucht.

    @jeja sagte in Die Frage nach der Psychotherapie für Prota:

    Du solltest dir überlegen, wie du deine Geschichte aufbauen möchtest. Meine Freundin und ich finden, es wäre verantwortungslos, wenn du die psychischen Krankheiten nur als kleinen Nebenplot einfließen lässt

    Ich würde es nicht als Nebenplot bezeichnen, gerade da (es ist halt Fantasy) ein wichtiges Plotelement sehr, sehr eng damit zusammenhängt.

    Verfasst in Plauderecke weiterlesen
  • NelaNequin

    @noely sagte in Die Frage nach der Psychotherapie für Prota:

    Ich denke, du musst dir überlegen, ob du die Gründe, wieso deine Prota nicht sofort nach einer Therapie sucht (vermutlich gibt es ja welche, du wirst dir den Plot ja nicht ohne Grund so ausgedacht haben) als wichtiger ansiehst als das, was potenzielle Leser*innen denken.

    Ja, es gibt welche. An sich hat es eben mit dem zu tun, was halt IRL so oft passiert: Sie will nicht einsehen, dass es ihr schlecht geht, dass sie Probleme hat. Ein Teil davon ist Stolz und dass sie nicht zugeben will, dass etwas nicht stimmt, ein anderer Teil davon ist aber auch … wie soll ich es sagen? Ihre Depression ist in erster Linie durch die Nicht-Aufarbeitung von Traumata ausgelöst, wobei das Ursprungstrauma (die Tatsache, dass ihr Vater im Rollstuhl gelandet ist und daraufhin seinerseits psychische Probleme hatte und sich sehr verändert hat, was ihr eine wichtige Bezugsperson genommen hat) ihr sehr “klein” vorkommt. In ihrem Kopf hat sie kein Recht traumatisiert durch etwas zu sein, das ihrem Vater passiert ist. Und zwar passieren im Lauf der Bücher dann auch ihr einige Dinge, aber sie ist umgeben von Leuten, denen so viel mehr passiert ist und die ja auch psychologische Behandlung ablehnen und daher nimmt sie das halt unbewusst so auf.

    Na ja, und davon abgesehen versteht sie halt nicht, was Psychotherapie ist und wie es funktionieren würde. (Und hört nicht zu, wenn ihre Mentorin es ihr zu erklären versucht.)

    @noely sagte in Die Frage nach der Psychotherapie für Prota:

    Was mir aber gerade spontan noch eingefallen ist: Weiß denn der/die Love Interest von deiner Prota über ihre Traumata und Depressionen Bescheid? Wenn ja, könnte diese Figur ja auch dahingehend auf deine Prota einwirken und sie dazu ermutigen, die Therapiesache endlich mal anzugehen.

    Tut das Love Interest. Aber das Problem ist, dass das Love Interest von klein auf eingeprügelt bekommen hat, dass es niemanden vertrauen darf und psychische Probleme nicht real seien. Denn das LI hat selbst dahingehend auch einige Probleme, die eigentlich Therapie bedürfen. Da es aber selbst nicht geht, würde es nie auf die Idee kommen, die Prota dahin zu drängen. (Das LI wird erst zwei Bände, nachdem Prota ihren Zusammenbruch hatte, selbst einer Therapie zustimmen, unteranderem auch weil es dann sieht, dass es Prota eben doch hilft.)

    @talismea sagte in Die Frage nach der Psychotherapie für Prota:

    Vielleicht wäre es gut, wenn du die Lesenden an der Innenwelt der Prota teilhaben ließest? Also einfach zeigst, dass sie depressive Gedanken sofort zu verdrängen versucht?

    Das habe ich soweit in Band 1 schon gemacht. Sagen wir es so: Von den Reviews her gab es eine Leserin, die nicht verstanden hat, was da los war. Am Anfang hatten ein paar Leute Probleme zu verstehen, warum Prota nicht was wegen diesem oder jenem Problem, was in ihren Gedanken aufkommt, macht. Aber bis auf eine Leserin hatten bis zum Ende von Band 1 alle verstanden, dass ihre Psyche sie halt davon abhält und dass ihr “Besser ich denke über was anderes nach” halt auch dadurch begründet war. (Beispiel ist eben, dass sie Probleme hat ihre Miete zu zahlen, aber sich nicht aufgerappelt bekommt, aktiv etwas dafür zu tun, das Problem zu lösen und stattdessen sich lustige Tiervideos auf YouTube anschaut, um den Gedanken, dass die Miete bald fällig wäre, zu verdrängen.)

    @manuela-sonntag sagte in Die Frage nach der Psychotherapie für Prota:

    Was mir einfiele - zusätzlich zu dem was andere Charaktere kommentieren - wäre vielleicht an ein oder zwei Stellen zu zeigen, dass ihre psychischen Probleme eben verdrängt und nicht gelöst werden.

    Das ist vielleicht wirklich etwas, das ich klarer reinbringen könnte. Prota hat wenigstens eine Person abseits von Luna, die das Verhalten so bemerken sollte und die klarer darauf aufmerksam machen sollte. Ich mein, die merkt zumindest auch, als sie von ein paar Sachen erfährt, an, dass das nicht gesund und normal klingt. Auch wenn Prota es zu dem Zeitpunkt nicht hören will.

    @tine-schreibt sagte in Die Frage nach der Psychotherapie für Prota:

    Ich stelle hier Vermutungen über dein genaues Plotting/die Dispos an, aber nach dem, wie ich dich verstanden habe:
    Wenn du es auf psychologischen Realismus abgesehen hast, würd ich an deiner Stelle das Staging ihrer Symptome anpassen (sehr mild zum Anfang, damit die Beziehung ihr Befinden verbessern kann), den Konflikt wegen ‘Ich will aber keine Therapie’ nach hinten verschieben und auch die Motivation deiner Prota für den Verzicht darauf anpassen (ich meine, mit ADHS ist es so wie so schwer für sie, Termine zu machen und wahrzunehmen), weil sie erst über den Verlauf der Geschichte tief genug rein rutscht, um eine Therapie tatsächlich zu brauchen.

    Also effektiv ist es so: In Band 1 ist sie wirklich teilweise soweit, dass sie sich kaum aufrappeln kann irgendetwas zu tun. Auf der einen Seite freut sie sich (sie ist freischaffend als Privatdetektivin) einen neuen Auftrag zu bekommen, auf der anderen Seite kämpft sie aber damit sich aufzuraffen, irgendetwas zu tun. Ein wichtiger Faktor ist halt dabei auch, dass ihr am Anfang von Band 1 absolut ein Supportnetwork fehlt, da sie sich schon ziemlich weit von allen Leuten in ihrem Umfeld distanziert hat - bis auf ihren Mitbewohner, den sie nicht loswird, der aber auch überfordert ist mit ihr dahingehend umzugehen. Das einzige, das ihr da überhaupt noch hilft morgens aus dem Bett zu kommen, ist ihr Hund.

    Sie hat dann am Ende von Band 1 eine gute Freundin, die darauf Rücksicht nimmt, aber sich auch nicht einfach von ihr wegdrängen lässt und sie dazu motiviert, wieder ein wenig mehr rauszugehen. Und halt die Mentorin, die zumindest soft da ein wenig nachhilft, da sie halt auch ausgebildete Psychologin ist. Plus: Es gibt da erst einmal ein High dieses “Hey, es gibt etwas, das ich wirklich gut kann!” (Magie halt.) Das hilft, dass es ihr Anfang von Band 2 etwas besser geht, als in Band 1. Also sie kommt wieder von allein aus dem Bett und ist zumindest nicht mit allem komplett überfordert. Und das ist halt dann die Basissituation, aus der sich die Beziehung dann entwickelt. Aber dann kommen halt so ein paar Traumata dazu, aber es wird dann immer überspielt, verdrängt, unterdrückt, um sich irgendwie am Laufen zu halten, bis zu dem Punkt im späteren Band, der dann das ganze Kartenhaus zusammenbrechen lässt.

    Verfasst in Plauderecke weiterlesen

Es scheint als hättest du die Verbindung zu Schreibnacht verloren, bitte warte während wir versuchen sie wieder aufzubauen.