• Andrea Weil

    Seit gestern Abend, als ich schon kaum mehr damit gerechnet hatte, dass der Verlag den angekündigten Termin einhalten kann, ist mein dritter Roman “Menschenwolf” erschienen. Warum ich hier erst über den dritten schreibe? Weil es die Kategorie bei No Pflock und Neun Leben, achtzehn Krallen noch nicht gab - und weil Menschenwolf für mich persönlich nochmal was ganz besonderes ist. Es ist mein wirklicher Erstling.

    Die erste Fassung fing ich an, vor 20 Jahren zu schreiben. Zwanzig! In der Schule, meist im Englisch- und GK-Unterricht, während die Lehrer glaubten, ich protokolliere fleißig mit. Kurz nach Beendigung suchte ich eine Möglichkeit zur Veröffentlichung und bekam ein Angebot eines Druckkostenzuschussverlages, das ich letztlich aus einem Bauchgefühl ablehnte. Zum Glück! Ich war naiv und dumm und hätte Scheiß-Abzockern mein Geld und meine Rechte in den Rachen geschmissen! Und eine völlig unausgereifte Fassung rausgebracht. Denn damals hatte ich noch gar nicht meinen Stil und meine Stimme gefunden.

    Winter 2004/2005 machte ich ein Praktikum bei einer deutschen Zeitung in Montreal. Eines Nachts erwachte ich mit einer völlig neuen Anfangsszene im Kopf, die da begann, wo Fassung 1 endete. Ohne, dass mir bewusst gewesen wäre, überhaupt an Menschenwolf gedacht zu haben (und ja, der Titel ist meiner und 20 Jahre alt). Ich stand auf, schrieb sie wie im Rausch runter und seither ist sie fast unverändert geblieben. Im Gegensatz zum Rest der zweiten Fassung, die im Studium entstand.

    Fast forword zum Jahre 2014. Ich habe gerade einen weiteren Halbjahresvertrag meiner Zeitung in Schwedt an der Oder abgelehnt und bin arbeitslos. Offiziell. Tatsächlich krempele ich mein ganzes Leben um und bereite meine Selbständigkeit vor als freie Journalistin, Umweltpädagogischer Dozentin mit Schwerpunkt Wolf und, was ich damals noch nicht geplant hatte, Lektorin. Und schrieb Fassung 3. Passte das Wolfsverhalten immer an den neusten Stand der Wolfsforschung an und warf den Vampir raus, weil Twilight mir diese Kombi unmöglich gemacht hatte. Er fand ein neues Heim als Ravic in No Pflock. Denn als das endlich geschafft war, brach der Damm und die Ideen fluteten meinen Kopf, nachdem ich mich jahrelang kreativ völlig ausgetrocknet gefühlt hatte.

    Mit diesem Manuskript überzeugte ich die Agentur Ashera davon, mich zu vertreten, es selbst blieb aber liegen. Ich war sehr verunsichert, eine Lektoratskollegin hatte es angelesen, abgebrochen und mochte schon das Werwolf-Konzept nicht. Das wollte ich um nichts in der Welt ändern und für andere Verbesserungsideen war ich zu betriebsblind. Dann kam 2018 das Angebot vom Isegrim-Verlag. Isegrim, wie perfekt ist das? Ich brach in Freudentränen aus und stotterte meiner Freundin und Wolfsexpertin Elli Radinger eine völlig unverständliche Nachricht auf den Anrufbeantworter. Ich schrieb das Buch noch einmal nach Anmerkungen des Lektorats um - sie betrafen nichts, was für mich der unveränderliche Kern meiner Geschichte war. Erst hier kamen meine lieben @Chatadias der Schreibnacht ins Spiel mit Rat und Mutmachen, aber das macht ihren Beitrag nicht weniger wichtig. (Danke ❤)

    Und da ist es nun. Lange Zeit, viel Arbeit, viel Angst und Zweifel, dafür jetzt umso größere Freude. Es ist sicher nicht mein bestes Buch aber das, was mir am meisten am Herzen liegt und dessen unterschiedliche Versionen so gut wie kein anderes Werk meine jeweilige Lebensphase widerspiegeln. Ich hoffe so sehr, dass es den Leser*innen gefallen wird. Das tun wir ja immer, aber diesmal noch mehr. Und deshalb schreibe ich hier auch diesen Roman über einen Roman. :sweat_smile:

    Verfasst in Erfolgsgeschichten weiterlesen
  • Andrea Weil

    :sunny: Ich wünsche mir, dass ich es schaffe, das Projekt für den bislang größten Verlag, der sich für etwas von mir interessiert, zu beenden und gut rauszubringen. Und der Schreibnacht alles Liebe. :sunny:

    Verfasst in Schreibnacht-Geburtstag weiterlesen
  • Andrea Weil

    Bis Ende der Woche ein Exposé fertig machen, bis Ende des Jahres den Krimi beenden. Nächstes Jahr darf ich dann erstmal an meinem (noch unvermittelten) Lieblingsorojekt weiterschreiben. Das ist alles sehr nah und konkret 😄

    Verfasst in Schreibnacht Montagsfrage weiterlesen
  • Andrea Weil

    Ich habe keine bestimmte Taktik, außer vielleicht, abends im Bett intensiv an ein Problem zu denken, weil ich dann manchmal mit der Lösung aufwache. Das entspannte Gehirn ist nämlich nachweislich kreativer. Was meine Ideen betrifft, die kommen mir einfach im Alltag, meistens inspiriert durch Orte, Menschen oder kleine Beobachtungen, die ich in der Welt mache. Oft existiert erst eine Idee, die dann mit einer zweiten, scheinbar unabhängigen kollidiert und eine Kernfusion eingeht. :relaxed:

    Verfasst in Schreibnacht Montagsfrage weiterlesen
  • Andrea Weil

    “Ein Meer, das nicht gelegentlich damit drohte, einen vom Deich zu pflücken und mit sich zu reißen, war für Kaja kein Meer.”

    Aus dem Gefängnis. Bin im Urlaub an einem anderen Meer und im Notizbuch ist der Anfang nicht drin.

    Edit: Gedächtnis natürlich. Ein Hoch auf die Autokorrektur xd

    Verfasst in Schreibnacht Montagsfrage weiterlesen
  • Andrea Weil

    Nachdem ich die Deadline für den Verlag im vergangenen Jahr wegen Depressionen geschmissen hab, aber auf unerwartet viel Verständnis stieß, versuche ich, wieder in meinen Krimi rein zu kommen. Ich stehe bei etwa der Hälfte und verzweifle schlicht an meiner Unfähigkeit, mich längere Zeit zu konzentrieren, ohne müde zu werden (und ich muss ja auch noch nebenbei Geld verdienen). Meinen Figuren geht es super, das Setting ist toll, ich liebe es und habe keine Schreibblockade - ich bin “nur” erschöpft und habe Angst, den Verlag endgültig zu enttäuschen :see_no_evil:

    Sorry. Das ist keine gute Frage für mich an einem Montag.

    Verfasst in Schreibnacht Montagsfrage weiterlesen
  • Andrea Weil

    Wie jongliert du eigentlich deine Standbeine? Ganz diszipliniert jeden Tag eine Stunde hinsetzen, wie es die Schreibratgeber empfehlen, oder hast du eine andere Methode, dranzubleiben?

    Verfasst in Fragestunde mit Heiko Hentschel weiterlesen
  • Andrea Weil

    Ich mache nie mit. Zum einen, weil ich noch nie zur passenden Zeit ein neues Projekt am Start hatte, sondern bereits an einem schreibe. Zum anderen kommt bei mir der Schreibflow in Schüben, mich mit Wörterzählen weiter unter Druck zu setzen, hilft nicht. Ich habe genug Druck mit Verlagsdeadline, Agentin und meinem eigenen Perfektionismus. Es ist schön, wenn der NaNo anderen hilft und Austausch bringt, mich stresst allein der Gedanke viel zu sehr. Aber jedem, der mitmacht, wünsche ich viel Spaß und Erfolg.

    Verfasst in Schreibnacht Montagsfrage weiterlesen
  • Andrea Weil

    Meine kleinste Lesung war vor vier Menschen, von denen zwei Angestellte des Hauses waren, wo das ganze stattfand. Also bin ich hinter meinem Tisch hervorgekommen, und wir haben aus der ersten Reihe einen Stuhlkreis gemacht. Das war herrlich. Und im Anschluss habe ich die beiden älteren Damen um ihre ehrliche Einschätzung gebeten, denn das war ein kleiner Testballon mit einer Liebesgeschichte aus der Sicht von Senioren, also Protagonisten, die doppelt so alt sind wie ich. Daraus ist ein richtig gutes Gespräch entstanden. Wolfgang Hohlbein, hat mir eine Freundin von ihm erzählt, hatte seine erste Lesung vor drei Kindern. Die hat er dann alle zu Pizza eingeladen. Beim nächsten Mal brachten sie ihre Freunde mit und es waren schon 20. Das ist einfach Respekt vor jeder einzelnen Person, die auftaucht und sich interessiert. Da sollte man sich als Autor nicht zu fein sein.

    Verfasst in Schreibnacht Montagsfrage weiterlesen
  • Andrea Weil

    Ich bin nicht-Nano-schreibende Umwelt und unterstütze alle gerne und rede gut zu und tröste, wenn das Tagespensum nicht klappt und bin selbst inspiriert, mehr am Manuskript zu arbeiten. Und mein Partner unterstützt mich sehr, er ist großartig zum Brainstorming, schubst mich an den Schreibtisch und stellt mir Fragen zum Deadline-Projekt, wenn ich zu einem anderen Plotbunny abschweifen will.

    Und jeeeeej, Montagsfrage, willkommen zurück <3

    Verfasst in Schreibnacht Montagsfrage weiterlesen
  • Andrea Weil

    Vielleicht schmule ich mal rein, aber wir sind bei der Schwiegermutter in spe, wird also schwierig. :/

    Verfasst in 66. Schreibnacht weiterlesen
  • Andrea Weil

    Als das Frühchen zwei Wochen im Brotkasten lag. Wer braucht schon hochtechnisierte Brutkästen? Kann jeder billig zu Hause machen :joy:

    Verfasst in Schreibhandwerk weiterlesen
  • Andrea Weil

    Auf Twitter läuft immer noch meine Abstimmung, was ich mir heute Abend eigentlich vornehmen soll, weil ich mich nicht entscheiden kann. Zwei Favoriten kristallisieren sich heraus und wahrscheinlich mache ich halbe-halbe: die Hälfte einer Leseprobe abtippen für einen Verlag und vielleicht Kapitel 3 meines neuen Herzensprojekts schaffen.

    Verfasst in 69. Schreibnacht weiterlesen
  • Andrea Weil

    Hey Heiko, wie cool, dass du heute Ehrengast bist! Du bist ja gleich mehrfach talentiert (ich bin etwas neidisch, denn ich würde zu gern zeichnen können!), illustrierst du alle deine Geschichten, und sei es nur für dich? Und wie entscheidet sich, in welchem Medium du was umsetzt?

    Verfasst in Fragestunde mit Heiko Hentschel weiterlesen
  • Andrea Weil

    Wahrscheinlich der Moment, in dem ich das Paket vom Verlag mit meinem ersten Roman geöffnet habe. Oder der an dem mir meine Agentin sagte, dass mein Herzensprojekt vermittelt ist. Und beides wird wohl geschlagen werden von dem Moment, in dem ich mein Herzensprojekt aus dem Paket auspacke xd (was in wenigen Tagen/Wochen der Fall ist)

    Lesungen vor dem richtigen Zielpublikum, das einen dann um Signatur bittet ( inklusive einer alten Lehrerin, die mir bei der Gelegenheit dass du anbietet) sind auch geil. Und im Buchladen an der Kasse stehen und mitkriegen, wie eine Frau mein Buch kauft, und die Verkäuferin dann vorschlägt, es sich doch gleich von mir signieren zu lassen.

    Verfasst in Schreibnacht Montagsfrage weiterlesen
  • Andrea Weil

    Sehr schöne Frage! Da will ich ja am liebsten alle Projekte durchgehen, aber ich beschränke mich auf das aktuelle.

    Ganz offensichtlich ist Kalle, Kajas Lebensgefährte, mit dem sie den literarischen Reiterhof aufgebaut hat. Im Gegensatz zu ihr hat er seine jugendliche Rebellion auf einem bayrischen Dorf machen müssen und nicht in der Großstadt. Deshalb hat er ein bisschen mehr Einsicht und Verständnis, wie weit man gehen kann, um nicht alle andere Menschen komplett vor den Kopf zu stoßen. Er erdet Kaja, gibt nötigen Widerspruch, bringt sie zum Lachen und wälzt sich auch mal gern mit ihr im Heu :smirk:

    Vera, Kajas Ex, hat nur eine kleine, aber wichtige Rolle, weil sie sozusagen die lebende Erinnerung an Kajas wilde Jugend und ihre Träume ist.

    Sasha, die beste Freundin der Toten (das ist kein Spoiler, das ist ein Krimi und die Ausgangssituation) weckt in Kaja fast mütterliche Gefühle und gibt dadurch zusätzlich Ansporn, sich selbst an des Rätsels Lösung zu machen.

    Ich denke, das sind die drei wichtigsten, aber es geht noch sehr viel mehr.

    Verfasst in Schreibnacht Montagsfrage weiterlesen
  • Andrea Weil

    Definitiv. Das ist ein Hauptthema in meinen Vampirgeschichten, weil ich das Konzept der Blutbindung dabei habe: Beißt ein Vampir einen Menschen, ohne ihn zu töten, muss dieser ihm bedingungslos gehorchen. Die Dynamik und die verschiedensten Gefühle, die daraus entstehen, sind u.a. ein Spiegelbild von missbräuchlichen Beziehungen.

    Verfasst in Schreibnacht Montagsfrage weiterlesen
  • Andrea Weil

    Ich liebe es, kleine Phrasen unübersetzt in meine Geschichten einzubauen, wenn z.B. ein Charakter Italiener ist, aber die Geschichte natürlich auf Deutsch geschrieben und verständlich sein soll. Für meine Erstveröffentlichung “No Pflock” hab ich mir einen Dialektberater besorgt, weil der Vorsitzende des Münchner Vampirältestenrats Bayerisch redet. Die Senioren jammern gern darüber, dass die Jugend kein Dialekt mehr kann und ein Stück Kultur ausstirbt, und viel älter als Vampirältestenrat geht halt nicht. Eine bayerische Testleserin sagte mir darauf, dass selbst sie den Kerl nicht mehr ernst nehmen kann, aber ich habe es trotzdem drin gelassen. Allerdings traue ich mich nicht, als Hessin diese Szenen in einer Lesung zu verwenden. #Gnackzuuzler

    Verfasst in Tag der Muttersprache weiterlesen
  • Andrea Weil

    Ihre Freundin stirbt. Es wirkt wie ein Unfall, aber Ilse glaubt nicht daran. Deswegen ist das auch kein Spoiler. Das ist der Ausgangspunkt des ganzen Krimis.

    Verfasst in 68. Schreibnacht weiterlesen
  • Andrea Weil

    Manche Leute behaupten, Musik, aber die haben meine Schwester noch nicht gehört :-D Ich finde es einfach soooo cool, wenn man seine Charaktere selbst zeichnen kann oder bestimmte Szenen. Ich hab manche ganz genau im Kopf und würde gern auf einen “Print”-Knopf drücken können. Fotos im Internet suchen, klappt nicht immer. Sei stolz auf dich! :wave:

    Verfasst in Fragestunde mit Heiko Hentschel weiterlesen

Es scheint als hättest du die Verbindung zu Schreibnacht verloren, bitte warte während wir versuchen sie wieder aufzubauen.