• Hollarius

    Zwischen Nacht und Dunkel / Full Dark, No Stars

    Vier Novellen, so wird diese Sammlung angekündigt, etwas genauer müsste man vermutlich sagen, es sind zwei Kurzromane, eine Novelle und eine Kurzgeschichte. Oder ist 1922 auch ein Kurzroman? Ja, nein, ich lege mich jetzt mal auf Novelle fest.

    „1922“ ist der ersten Geschichte der Sammlung. Eine Geschichte aus alter Zeit, eben aus 1922, in der ein Mann mit seinem 14jährigen Sohn gemeinsam seine Frau umbringt, weil die ihn verlassen will. Aber wir sind hier in einem 1922 voll von Schrecken und Arlette James rächt sich nach ihrem Tod mithilfe einiger ziemlich aggressiver Ratten. Nichts für Menschen, die eine Phobie vor den possierlichen Nagern haben.

    King trifft hier einen guten Ich-Erzähler-Ton, in dem der Mörder Wilfred James die Geschichte des Mordes und des Fluches erzählt, der nach dem Mord auf ihm und seinem Sohn lag. Die Geschichte spielt übrigens in Hemingford Home, aber Abigail Freemantle, die zu dem Zeitpunkt ja eine Frau um die vierzig gewesen sein muss, schaut nicht vorbei.

    „Big Driver“ ist die zweite Geschichte, und hier sind wir irgendwo zwischen einer sehr langen Kurzgeschichte und einem Kurzroman. Tessa Jean ist eine Schriftstellerin, die auf dem Weg zurück von einer Lesung auf eine Abkürzung geschickt wird. Auf einer sehr selten befahrenen Straße wird sie dort von einem riesigen Mann, eben Big Driver, in eine Falle gelockt, vergewaltigt und für tot liegen gelassen. Aber sie überlebt und schwört Rache, und liefert diese dann auch. Ziemlich kompromisslose Geschichte.

    „Faire Verlängerung“ ist eine Kurzgeschichte und eine kleine Hiob-Karikatur. Dave Streeter aus Derry, Maine hat im Endstadium Krebs, wenn er auf ein Straßenschild aufmerksam wird, wo Verlängerungen angeboten werden. Und er weiß ziemlich genau, für was er eine Verlängerung braucht. Er findet das Geschäft und bekommt die Verlängerung, einerseits für einen recht vernünftigen finanziellen Aufwand und für ein Opfer. Er braucht jemanden, auf den sein Pech übergeht. Er nominiert seinen besten Freund, dem er so ziemlich alles neidet. Der Verkäufer, ein gewisser Mr. Elvid – na, wie wäre es mit einem Anagramm? - lacht, bis ihm Tränen kommen. Blutige Tränen. Der Deal wird gemacht.
    Streeters Krebs bessert sich wunderhaft, und Freund Tom freut sich noch mit ihm. Aber dann beginnt alles in Toms Leben schief zu laufen, und Daves Leben fängt erst so richtig an.
    Nur was für Menschen mit einem sehr boshaften Humor.

    „Eine gute Ehe“ ist dann wieder, wie die zweite Geschichte, ganz ohne phantastische Elemente. Darcy Anderson ist seit fünfundzwanzig Jahren mit Bob verheiratet, den sie liebt und der ihr ein guter Mann ist. Und das hätte so weiter gehen können, aber dann findet sie etwas, was mehr als beunruhigend ist. Ihr Mann besitzt Dokumente einer ermordeten jungen Frau. Ihr Mann ist ein Serienmörder. Das hat sie bald raus. Und was jetzt?
    Können zwei Menschen ihr Leben zusammen verbringen, und einer davon merkt nicht, dass der andere ein so schreckliches Geheimnis hat? Das ist die Frage, die King hier auslotet. Und es ist ein psychologisch dichter Thriller.

    Das ist alles guter Stoff, den King hier abliefert, aber er wird nirgends brillant. Die stärkste Geschichte ist wohl Big Driver, die auch noch ein bisschen Brutalität in die Waagschale werfen kann. Die Leseempfehlung heißt als: Nun ja, schlecht ist das nicht. Aber ein Muss jetzt auch nicht.

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  • Veronika

    @lio-hihsommet sagte in Das Geschlecht von euch und euren Protagonisten?:

    Das finde ich eine ziemlich strunzdumme Reaktion von Leuten. Aber gut, von Nicht-Schreibern bekommt man ja oft seltsame Reaktionen zu Schreibthemen.

    Ich finde das auch ziemlich seltsam. :laughing: Ich meine, Harry Potter ist ein Welterfolg und das war ein männlicher POV Charakter aus Sicht einer Autorin. Tolstoi hat in Anna Karenina ziemlich erfolgreich das Innenleben einer unglücklichen Frau geschrieben.
    Also ich versteh nicht wieso Leute da so seltsam drauf sind - wenn ich ausschließlich über… na ja mich schreiben dürfte, wären das entsetzlich langweilige Bücher.

    Mein einziger Pet Peeve ist, wenn manche männliche Autoren Frauen schreiben. KEINE Frau denkt so viel über ihre Brüste nach, wie manche Männer sich das so vorstellen. :roll_eyes: Murakami, sag ich nur…

    An dieser Stelle empfehle ich gerne den Twitteraccount von Men writing women
    Man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll. ;) Da geht es aber tatsächlich weniger um den POV.

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  • MartinZ

    Meeresboden
    Schlossgeist
    Kälte

    Verfasst in Forenspiele weiterlesen

Es scheint als hättest du die Verbindung zu Schreibnacht verloren, bitte warte während wir versuchen sie wieder aufzubauen.