• Rainblue

    @marinacgn Das ist auch der Kern, ja. xD Darum auch der Nachsatz. Ich wollte nur meinen Erfahrungswert hinzufügen, dass Gefühle, wenn sie echt rüberkommen beim Zuschauer/Leser/Betrachter eben auch echt sind, aber unter einem anderen Kontext in der Person stehen. Das Ganze dann so aus sich herauszuholen und in das Unterhaltungswerk umzuwandeln, das ist in meinen Augen die wahre Kunst dahinter.

    Lustiges Beispiel am Rande. Als ich mal bei einem Dreh war, wurde der einen Akteurin gesagt, sie hätte in Szene XY so unglaublich tief in die Situation verflochten ausgesehen, als wären ihre Gedanken drunter und drüber gegangen und sie gestand dann, sie habe währenddessen intensiv ans Essen gedacht. xD

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  • Rainblue

    Falls ich als ehemalige Schauspielerin mich einmischen darf… xD
    Das ganze Gespräch hat mich enorm an einen Satz einer meiner Schauspiellehrerinnen damals erinnert: “Muss man jemanden ermordet haben, um einen Mörder spielen zu können?” Die Frage lautet immer nein. Erfahrung schöpft man aus sehr vielen verschiedenen Erlebnissen und dem, was man im Verlauf seines Lebens lernt, ABER es ist unbestreitbar, dass Geschichten (oder wahlweise eben Schauspielerei, Bilder, Gedicht etc…) immer der Verarbeitung dienen und immer nur die eigenen Emotionen und Gedanken angezapft werden können. So unglaublich freundlich und umgänglich ein Mensch auch ist, auch er hat verborgene Seiten, die gewaltbereit sind, die düster sind und die er entweder nie ausgelebt hat oder nur in anderen Umständen. Schauspieler schauspielern nicht, sie fühlen, erleben, sind wirklich. Die Erinnerungen, Erlebnisse und damit verknüpften Emotionen, die sie dafür aus sich nehmen, sind zwar einer völlig anderen Natur und stammen aus ganz anderen Orten als die der Rolle, aber sie sind das, worauf er zugreift, um sie zu verkörpern. Andernfalls würde schnell auffallen, dass er nur so tut als ob und das wäre dann geschauspielert und nicht authentisch. Dasselbe sehe ich persönlich beim Schreiben.
    Auch meine Geschichten haben offensichtlich nichts mit mir als Person zu tun, aber tief im Kern, wenn man ihn freilegt, definitiv. Gerade darum ist das Schreiben heilsam, gerade darum schaffen es Menschen, durch ihre Kunst andere zum Weinen zu bringen, zum lachen oder dazu, wütend zu werden - weil diese Gefühle nicht aus der Luft kommen, sondern immer aus einem selbst. Andere Verknüpfen und Erfahrungen, ja - ich würde mich wiederholen - aber das Endergebnis führt dahin, wo man landet. Und irgendwoher muss ja auch der Antrieb kommen, ausgerechnet so etwas schreiben zu wollen, sei es die Faszination dafür (auch die kommt irgendwoher) oder ganz bewusst das Verarbeiten von Gefühlen in einem geschützten Raum, wo man sein und tun darf, was in der Realität undenkbar bis unmöglich ist.
    Ich selbst finde es sehr spannend und sehr hilfreich, in meinen Geschichten nachzuforschen, wieso ich so etwas schreibe, warum meine Charaktere so sind, egal, wie viele verschiedene dabei herauskommen - überall darin ist mein Wesen, selbst Züge von mir, die ich so niemals wahrgenommen hätte und nicht auslebe oder ausleben werde. Ist das irgendwie verständlich? xD
    Man kann das halten wie man möchte, aber auch aus therapeutischen Erfahrungen wird mir sehr häufig klar, was alles durch die Geschichten aus mir herauskommt und dass das eine sehr gute und richtige Sache ist. Dasselbe war es beim Schauspielen.

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  • Rainblue

    Mir sprang irgendwann zur Mittagszeit, als ich an meinem Herzensprojekt verzweifelt bin, ein tollwütiges Plotbunny ins Gesicht und jetzt, wo ich es endlich davon trennen und auf einem virtuellen Dokument einsperren konnte, geht mir (nicht zum ersten Mal) durch den Kopf, was für Charaktere ich eigentlich irgendwie immer wieder kreiere.

    Dadurch, dass ich viel mit Freunden zusammen geschrieben habe und schreibe und dabei multiple Geschichten entstanden sind, lässt sich die Präferenz sehr schön beobachten. Uuuund dabei dachte ich mir dann, dass ich diese Frage doch auch mal aus Lust und Laune ins Forum stellen könnte. And here we are.
    Habt ihr auch Charaktertypen, die ihr am liebsten schreibt oder die sich ganz von allein immer wieder einschleichen? Klar, Charaktere sind vielschattiert, mehr als nur ein bestimmter Archetyp oder eine Schablone und ich will jetzt auch gar nicht darauf hinaus, hier einen Schrank mit Schubladen aufzubauen, in die sie hineingehören. Aber mal runtergebrochen von der Theorie - was für eine Art von Charakter wäre das dann?

    Bei mir ist es der große, finstere, extrem humorlose Kerl mit dem eigentlich viel zu weichen Herzen. Bin ich trash für.
    Aber mich reizt gewissermaßen alles und ich bin immer auf der Suche nach einer Basis, die ich noch nie hatte.
    Ich habe mich in dem erwähnten Plotbunny übrigens eben deshalb gegen eine solche Figur entschieden, weil ich davon schon mehrere großgezogen habe. :see_no_evil:

    Falls das Thema schon irgendwo irgendwie irgendwann mal existiert hat, habe ich es übersehen und es tut mir leid.

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  • Rainblue

    Ich denke, das Wichtigste ist, den Leuten nicht den Wind aus den Segeln zu nehmen. Die meisten sind selbst ihre härtesten Kritiker, fühlen sich durch falsch ausgesagte Kritik in jedem Negativgefühl über ihre Kunst bestätigt und verfallen in eine endlose Schreibblockade. Kritisch sein und Leute trotzdem motivieren ist absolut vereinbar und sehr leicht zu machen.
    Natürlich steht an erster Stelle eine gute Absprache - Testleser und Autor müssen kompatibel sein. Wenn der Testleser warnt, dass er sehr hart ins Gericht geht, dann muss der Autor abwägen können, ob er damit umgehen kann oder nicht und sich nicht schlecht fühlen, wenn er das eben nicht kann, sondern freundlich ablehnen und jemand anderen fragen.
    Das mag so klingen, als würde der Autor es sich da leicht machen, aber wir sind nunmal alle Individuen und einige können schnell auf nackte Tatsachen reagieren, andere brauchen Zeit, bis sie so weit sind und müssen erstmal das nötige Selbstvertrauen aufbauen.

    Ich schließe mich da @Mone an, dass man nicht zu jedem Satz hinzufügen muss “ist nur meine Meinung”, aber defintiv die Begründung. Die du ja bereits lieferst, wenn du dazu sagst “Es klingt wie eine Einkaufsliste”. Das ist handfest, damit kann man etwas anfangen, anders als bei schwammigen Aussagen á la “das fand ich nicht gut, das war zu verwirrend, das war zu langatmig”, denn damit könnte ich als Schreiber nichts reißen und würde mich nur in einer Spirale aus Zweifeln verlieren. Allein damit, dass du auf den Text detailliert eingehst, anstatt ihn nur lieblos nebenbei zu kommentieren, gibst du demjenigen schon Rückenwind und die Kraft, dran zu bleiben, sobald er schwer wird.
    Man muss nicht mit Lob um sich werfen, Ehrlichkeit währt am längsten, aber wie man immer so schön sagt, muss Kritik konstruktiv und begründet sein und vielleicht auch einen Verbesserungsvorschlag beeinhalten. Und von sich selbst auf andere zu schließen, ist eher kontraproduktiv. Was dir hilft, muss beim anderen nicht immer auch funktionieren, deshalb die genaue Absprache, was sich der Autor von dir wünscht. Ich würde das also ganz explizit in Erfahrung bringen.

    Ich selbst behaupte, ebenfalls ehrlich zu sein, manchmal vielleicht auch hartherzig, aber wenn ich an etwas herumkrittele, das große Bedeutung in der Story hat und nicht nur ein paar Formulierungen oder eine Charaktereinführung beeinhaltet, dann ist es mir wichtig, damit sensibel umzugehen. Und vor allem die Weitsicht zu haben, dass das mein Geschmack ist. Da ist es angebracht, hinzuzufügen, dass das die persönliche Meinung ist. Bspw. gefällt mir jemandes Schreibstil nicht, aber er ist technisch nicht falsch - ich muss also polarisieren, ob es objektiv zu kritisieren ist oder ob ich gerade nur subjektiv argumentiere. Bei deinem Beispiel mit der Einkaufsliste müsstest du also schauen, ob sich dieses Muster wiederholt und ob es dich stört, weil es nicht deinem Geschmack entspricht oder eb es rational betrachtet den Lesefluss stört.

    Meine erste Geschichte wurde damals von einem sehr freundlichen Mann auseinandergerissen, der wirklich alles kritisiert hat, was er fand, ausnahmslos. Die Geschichte war grauenhaft, eben das, was man erwarten darf, wenn sich ein pubertierendes Mädchen hinsetzt und einfach drauflos tippt. Aber jedes Mal hat er es begründet, mir einen Tipp gegeben und seine ganze Lektion mit einem “Bleib aber dran, du hast Talent” beendet. Das war genau das, was ich gebraucht habe, um tatsächlich dran zu bleiben. Dieses Vertrauen, dass ich daran wachse, dass er mich trotz meines kindischen Geschreibsels ernst genommen hat. Da war die Kritik auf einmal viel nachvollziehbarer.

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  • Rainblue

    Nichtsdestotrotz ist es natürlich Schwachsinn, wenn ein Außenstehender behauptet, dass der Darsteller oder Schreiber genauso wie diese Figur ist und in Wahrheit ein bösartiger Mensch. Erklärt sich eigentlich allein schon dadurch, dass niemand nur eine Schablone ist und sich in jeder Lebenssituation gleich verhält.
    Das wollte ich nur noch für die Akten hinzugefügt haben. Entschuldigt den langen Text. :see_no_evil:

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  • Rainblue

    erzählt von gängigem, eher harmlosem Fantasy-Projekt
    "So was Brutales schreibst du?!" (ich frage mich dann nur, wie diese Leute es durchhalten, ihre Krimis zu lesen, von denen sie mir erst kürzlich noch erzählt haben) Geht auch so in die Sparte mit dem, dass man doch eigentlich so nett sei. xD

    “Du schreibst? Wie cool, dann können wir ja irgendwann erzählen, dass eine Beststellerautorin mal bei uns gearbeitet hat!”
    (ich zweifle nicht daran, dass das wirklich nur nett gemeint war, aber manchmal ist der Ton komisch…)

    “Sie wollen Autorin werden? Sie wissen aber schon, dass das kein Zuckerschlecken ist. Da ist nichts mit Ausschlafen und faul rumsitzen.” (Wow, danke, dass du mir DAS gesagt hast, ich dachte immer, als Autor verbringt man den ganzen Tag mit Fernseher und Chipstüte!)

    “Wird das dann auch verfilmt?” (Klar, ich schließe den Filmvertrag gleich im Anschluss an den vom Verlag ab, das weiß doch jedes Kind)

    Ansonsten kann ich mich den Fragen darüber, wo man die Zeit hernehme nur anschließen. /D Die kommen in der Regel immer. Aber es gibt auch eine Gegenseite mit sehr lieben und ehrlich interessierten Fragen, das gleicht dann alles wieder aus.

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  • Rainblue

    Höhö, wir fahren gleich an die Ostsee und bleiben dann erstmal bis zum Wochenende dort. >w<
    Das ist jetzt auch so ziemlich das erste Mal, dass wir uns einen Urlaub gönnen und wegfahren. Ich hoffe, dass das Wetter sich halten wird, damit ich diesen Sommer auch noch ein bisschen mehr Farbe bekommen kann.

    Euch allen wünsche ich schöne, produktive Tage! :yellow_heart:

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  • Rainblue

    @Jeja Ist der gute Felix denn auch im Vordergrund zu sehen oder immer zum Dasein im Hintergrund verurteilt? xD

    @Buchbummelant Hast du denn grundsätzlich auch einen Typen (oder eine Konstellation bei Paaren), der dir da am meisten Spaß macht? Oder gefällt dir jede Variation ungefähr gleich gut? ö.ö
    Und was die Schwangerschaften angeht… da müsste man wohl intensiver in den Hintergründen wühlen. Klingt auf jeden Fall spannend, vor allem, dass es dich so sehr zu interessieren scheint, dass du dir selbst auf die Finger schlagen musst, der Versuchung nicht nachzugehen. xD
    Und vielen Dank. <3

    @HeavyOverlord Ich finde so was faszinierend, ich kann mir nicht helfen. xD Wenn man nachbohrt, liegt eigentlich auch immer auf der Hand, weshalb man solche Charaktere besonders gern oder besonders gut schreiben kann und was dabei alles eine Rolle spielt. Aber das macht es nur noch interssanter.

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  • Rainblue

    Ich war seit gefühlten Jahren nicht mehr hier aktiv. Gesendet aus der Ecke der Schande :see_no_evil:

    Aber ich habe zu keiner Zeit aufgehört, zu schreiben, trotz aller Veränderungen, die mein Leben schlagartig genommen hat. Wenigstens eine Konstante sollte sich ja bewahren und jetzt würde ich gern wieder versuchen, mich auch hier wieder aktiver einzuschalten. Ich komm also mal heimlich, still und leise aus der Versenkung gekrochen.

    Heute strebe ich ganz mutig an, das nächste Kapitel auf den Tisch zu bringen. Alle Zutaten stehen parat, alle Gewürze warten darauf, überdosiert zu werden, das Geschirr bangt um sein Leben, also alles beim Alten. Ich hab kürzlich die 800 Seiten geknackt (Ja, ich hab die Kontrolle über mein Leben verloren) und die Story ist so round about zu 80% abgeschlossen. Es sei denn, es kommt wieder alles anders (so wie, dass es plötzlich 800 Seiten wurden).
    Kochmütze aufsetzt und mit Essigessenz in die Runde prostet Frohes Schaffen euch allen!

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  • Rainblue

    Ich mag beides gerne, langsames und schnelles Tempo, wenngleich ich beim langsamen mehr von meinem “Können” raushauen kann, wie ich finde, weil Platz für besonders ausladende und philosophische Sätze ist.

    Wichtig finde ich immer, dass man diese ruhigen Momente nutzt, um dennoch storyrelevante Inhalte einzubauen, die im Galopp der Handlung nicht integriert werden können, weil sie es nur unnötig herauszögern würden. Das Beispiel aus Harry Potter von @KristinBa finde ich großartig, es trägt vor allem zur Charakterisierung bei und bietet viel Raum für Interpretation und schafft Atmosphäre. Gerade Atmosphäre bewirkt so viel im Kopf des Lesers und kann gut genutzt werden, um die Botschaft zu untermauern und Foreshadowings auf das Kommende zu errichten.
    Man nimmt als Leser selbst mit den Helden Platz, denkt nach, schweift aus, lässt Revue passieren und entwickelt sich ganz sacht und langsam weiter. Letzten Endes zählen ja auch Liebesszenen zu diesen langsamen Momenten. Sie führen also ganz vordergründig den zweiten Erzählstrang aus, der neben dem Hauptstrang verläuft.

    Ich persönlich konzentriere mich in diesen Augenblicken intensiv auf die Gefühle meiner Charaktere. Innere Monologe müssen zwar nicht immer stattfinden, bieten sich aber durchaus an und können wunderbar durch Wahrnehmungen wie Sternschnuppen am Himmel, den Geruch des Lagerfeuers oder Schatten in den Büschen durchbrochen sein. Ich lasse sie reflektieren über alles, was ihnen bis dahin passiert ist, erzähle vielleicht ein paar Einzelheiten aus ihrer Vergangenheit, an die sie sich durch irgendwelche äußeren Impulse erinnert fühlen oder lasse sie über die anderen Helden grübeln, sie beobachten, möglicherweise Fragen zu ihnen stellen, die interessant klingen und die mich als Leser interessieren würden.
    Es legt ja auch bestimmte Verhaltensweisen der Charaktere offen, gerade deshalb liebe ich es, Gruppengespräche zu schreiben. Ratsitzungen zum Beispiel, wo alle Beteiligten sich den Ball immer wieder gegenseitig zuspielen und mit ihren nebenher stattfindenen Gesten und Mimiken ihre Persönlichkeit darstellen. Je nachdem, wie der Protagonist gestrickt ist, beobachtet er mehr oder beteiligt sich am Gespräch, achtet eher auf den Tonfall oder mehr auf die Bewegungen oder ist ständig von seiner Umgebung abgelenkt. Spürt vielleicht auch, dass etwas bevorsteht, dass etwas passieren wird, ob gut oder schlecht.

    Konkret würde ich auch sagen, sind Details immer angebracht. Dadurch, dass eben nicht nur der große, blaue, wolkenlose Himmel als solches beschrieben wird, sondern die unterschwelligen Dinge, wie eine einzelne Wolke, die die Form eines Hirschgeweihs hat oder diese eine Blüte im Herzen aller anderen, die schon verwelkt ist, Erwähnung finden. Sie haben immer einen Symbolcharakter, der ihnen anhaftet und dabei kann man meiner Meinung nach auch nicht viel falsch machen, wenn man sich die Details wirklich vorstellt. Es passiert so vieles, von dem, was man als Autor wie wahllos niederschreibt, im Unterbewusstsein. Die Erwähnung dieses einen ulkig geformten Kieselsteins klingt erstmal nebensächlich, aber die Idee dazu kommt ja irgendwo her und das Unterbewusstsein hat immer einen Grund dafür. Der ist dann zwar interpretationsreich, aber langsame Szenen dienen ja auch selten dazu, Eindeutigkeit zu schaffen. Diese Anstöße erwirken etwas im Kopf des Lesers und können vielleicht sogar später als Callback wieder aufgegriffen werden.

    Mir hilft es oft, mir Beispiele anzusehen, damit ich verstehe, was eine langsame Szene ist und wie andere sie handhaben. Und natürlich, ob ich damit was anfangen kann oder ob ich sie anders oder knapper oder länger oder intensiver schreiben würde. Ich denke das viel zu oft beim Lesen - dass ich das anders gemacht hätte und das hilft mir dann, meinen Weg zu finden. Daher sind “negative” Beispiele manchmal fast besser als gute.
    Dann ist wichtig, zu wissen, worauf das alles hinauslaufen soll, was kommt danach? Ich will jetzt eine gute, stabile Brücke zwischen beiden Szenen erzeugen, die die Spannung aufrechthält, also sollte das Hauptziel nicht aus den Augen verloren werden, das muss irgendwie präsent bleiben und sei es durch ein paar Gedanken oder Befürchtungen daran, was als nächstes kommt. Und ich würde den Helden auch immer Zeit geben, dort “anzukommen”. Also entweder dadurch, dass sie sich wortwörtlich setzen oder sich anlehnen oder durchatmen, die Augen schließen, sich vergewissern, dass sie außer Gefahr sind und sich eine Pause gönnen können. Dem Leser wird damit ja auch eine Pause gegeben.

    Das ist erstmal alles, was mir so einfällt. Ich hoffe, das macht irgendwie Sinn in sich? xD

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  • Rainblue

    Das Problem kann ich so gut nachvollziehen und ich gestehe, ich bin ein hoffnungsloser Chaot, wenn es um meine Geschichten geht. Meine Notizen sind nicht nur überall verteilt, ich bin auch der Meinung, das alles im Kopf jonglieren zu können. Das funktioniert sogar erschreckend gut, aber auch nicht immer.
    Und weil es mir so schwerfällt, Systeme aufzubauen, die einen Überblick verschaffen, schreibe ich es nacheinander auf. Von Sinnabschnitt zu Sinnabschnitt “In Kapitel 1 erklärte Nebencharakter Protagonist das und das”, dann darunter alles, was Nebencharakter Nummer 2 meinem Protagonisten Nummer 2 erklärte und dann noch all die Fakten, die NUR der Leser weiß, durch Protagonist Nummer 3. Und nehme sie dann unterhalb, wo alle Dinge stehen, die erklärt werden müssen, weg, außer das, was Protagonist Nummer 3 dem Leser allein mitgeteilt hat, das markiere ich nur und entscheide später, ob die beiden ersten Protagonisten diese Infos brauchen.

    Ähnlich wie du verdrehe ich auch häufig Fakten vor den einzelnen Protagonisten oder vorm Leser. Ich schreibe mir den Ablauf der Infos da meistens unmittelbar vor der Szene einfach unter den Text, damit ich kein Detail vergesse und vergleiche dann danach, ob eins mit dem anderen übereinstimmt.
    Es mag erstmal nach unnötig viel Arbeit klingen, vor Beginn der Szene nochmal nachzusehen, was der Charakter vor so langer Zeit erfahren hat, aber mir hilft es besser als ein Konzept, wo es statisch abgebildet ist, ich muss auch wissen, was derjenige in diesem Moment empfunden hat.

    Aber ich muss auch ganz ehrlich sagen, das würde alles nicht funktionieren ohne meine Alphaleserin. Sie ist nicht nur unglaublich kritisch, sie kennt praktisch auch die gesamte Geschichte und stellt mir immer, immer, immer Fragen zur Logik. Dadurch, dass ich sie meistens exakt beantworten kann - “du hast doch zwei Kapitel vorher von dem und dem das erfahren, darum weiß der das jetzt” - behalte ich wahrscheinlich so viel im Gedächtnis. Wenn es irgendwen gibt, dem du dich anvertrauen kannst und der deine Story ernst nimmt, dann hast du den perfekten Back-up. Auch als Tabellen- und Ordnungsversager wie ich einer bin.

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  • Rainblue

    Hier leckt man ja Blut, seinen Kopf anzustrengen. xD Gefällt mir.

    Zu Nummer 1 würde ich persönlich direkt sagen: Nee. So was von gar nicht. Jede Perspektive kann todlangweilig sein oder unglaublich mitreißend oder sogar mal das eine, mal das andere, abhängig von der Szene oder der sprechenden Rolle. Und auch noch abhängig von demjenigen, der es liest. Es gibt da keine Absolution. Und mir rettet das das Leben, ich schreibe nämlich in allen Perspektiven gleichzeitig, jeder der vier Charaktere meines Herzensprojekts hat eine andere.
    Deshalb kann ich mich auch nicht festlegen, was mir am besten gefällt, weder als Autor hinter der Tastatur noch als Leser hinter dem Buch. Ich mag alles, solange es mich fesselt, besonders, wenn es gemischt ist und mich fordert. Aber das nur am Rande. :see_no_evil:

    Je nachdem, was für eine Geschichte es ist und wie sie erzählt wird, können alle Perspektiven Dinge verschütten. Die Frage lautet dann auch eher, worauf der Schwerpunkt eigentlich liegt; auf der Handlung, auf den Charakteren, auf den Gefühlen, auf den Twists? Zumindest würde ich es nicht so radikalisieren, dass das eine das andere zunichtemacht. Es gibt genug berühmte Bücher in der Ich- oder in Erzählperspektive, die beweisen, dass beides erfolgreich sein kann. Und es letzten Endes auch kein Rezept für Erfolg gibt. Da schließe ich mich voll und ganz meinen Vorrednern an.

    Unterm Strich muss man es einfach mal ausprobieren und herausfinden, was einem selbst am besten gefällt und liegt und der Plot (oder Nicht-Plot bei Pantsern wie mir) wird sich daran anpassen, ganz von allein. Wenn dich dann das Gefühl ereilt, dass bestimmte Ereignisse untergehen oder nicht so geschildert werden können, wie du es geplant hattest, besteht immer noch die Möglichkeit, zwei Charaktere sprechen zu lassen oder Einschübe in der Erzählperspektive zu kreieren. Mir fällt gerade kein Beispiel ein, aber gelesen habe ich das mindestens schon in zwei oder drei Büchern.

    Die größte Hürde, die ich hatte (mir ging es da wie dir, ich habe darauf geschielt, was sich gut verkauft und versucht, das Erfolgsgeheimnis zu entschlüsseln, damit ich danach handeln kann), war, mir die Freiheit zu schenken, das zu tun, was ich will. Auch, wenn es sich total abgefahren anhört und fern aller Regeln des Handwerks steht. Man tut seiner Kreativität keinen Gefallen damit, sich starr auf das zu beschränken, was “empfohlen” wird oder “funktioniert”, bei mir endete das in Blockaden und Selbstzweifeln. Natürlich bedeutet das nicht, dass man alle Ratschläge über den Haufen werfen soll, im Gegenteil, die sind vollkommen legitim und nicht grundlos vielzitiert, aber oftmals verläuft man sich beim Befolgen auf totes Land und strebt Ansprüchen entgegen, die der Individualität die Luft zum Atmen rauben.
    Es geht ums Mittelmaß zwischen Technik und freier Entfaltung, zwischen nachvollziehbarer Dramaturgie und origineller Einfälle. Das ist ein Zeitfaktor.

    Aber um nochmal konkret auf die Fragen zurückzukommen. Gibt es denn Bücher, die dir zum Vorbild stehen? Bücher, an denen du deine Gedanken, das und das macht ein gutes Schrifststück aus, festmachst? Wenn ja, dann würde ich versuchen, nicht nur den Aspekt Perspektive daran zu beleuchten, sondern auch das, was dich daran so begeistert (ich vermute mal, das geht noch über den Erzählstil hinaus xD). Darin verbirgt sich vielleicht noch mehr von dem, was du suchst und erlangen willst und durch welches Sprachrohr es gesendet wird, ist eventuell gar nicht so wichtig. Oder eben doch, dann weißt du, ob es für dich einen Stellenwert hat und kannst eher abwägen, was für eine Perspektive deine Geschichte am besten schmückt.

    Klingt das irgendwie verständlich?

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  • Rainblue

    Um konkret auf die Frage zu antworten: Jein. Wichtig und unwichtig gleichermaßen. Was vorrangig daran liegt, dass Charaktere ja meistens nicht nach Vorgabe des Autors handeln und sich entwickeln, sondern ihm irgendwann selbst mitteilen, was sie so haben und wie sie so ticken…
    Lustigerweise war die Vorstellung, etwas anderes als heterosexuelle Paare oder Figuren zu schreiben vor ungefähr 4, 5 Jahren für mich noch absolut undenkbar. Dann änderte sich durch neue Erfahrungen etwas und ich fing an, mich dafür zu begeistern und fand, gemeinsam mit den Charakteren in der Story, plötzlich auch heraus, dass ich selbst bisexuell bin.
    Und heute würde sich das aus meinen Geschichten gar nicht mehr herausdenken lassen. Nicht, weil ich es der Welt unter die Nase reiben will, sondern weil ich es einfach schön finde, wie viele Formen Liebe annehmen kann - oder eben auch wie unterschiedlich Leute das empfinden (auch in Bezug auf Asexualität/Aromantik) und ganz besonders, weil jeder Charakter (und jeder Mensch) völlig andere Erfahrungen damit macht. Jeder empfindet seine Sexualität anders und in dem Moment wird es dann auch in einem Roman für mich interessant, ob es nun einen Einfluss auf die Handlung nimmt oder nicht.

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  • Rainblue

    @kristinba Ach, Mensch, du bist ein Schatz. Ich nehme den Drücker gerne entgegen und drücke ganz fest zurück! :blush:

    Es ist trotzdem schön, es zu hören, auch wenn es immer leichter gesagt als getan ist, das auch umzusetzen. Den Schalter finde ich noch nicht, aber genau deshalb arbeite ich ja an mir und habe überhaupt erst angefangen, mich behandeln zu lassen. Und die Schreibnacht gehörte als “Heilungsschritt” ja auch mit dazu. Ich danke dir. >w<

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Es scheint als hättest du die Verbindung zu Schreibnacht verloren, bitte warte während wir versuchen sie wieder aufzubauen.