• tine-schreibt

    @nelanequin sagte in Die Frage nach der Psychotherapie für Prota:

    Ich hab mal schnell die heteronormativen Vermutungen aus meiner Antwort getilgt…

    (…) Dann starb ihr damaliger Hund, was schon schlimm, war und dann kam ihr Vater ein Jahr später aus Afghanistan im Rollstuhl zurück. Und dann ist sie irgendwann gar nicht mehr zur Uni gegangen und exmatrikuliert worden. Und das hat dann alles zusammen sie richtig runtergezogen.

    Vor allem mit der emotional gewalttätigen Beziehung zusammen ist das auf jeden Fall genug, um ein komplexes Trauma zu erzeugen.

    Damit habe ich selbst sehr viel Erfahrung. Mobbing, psychischer Missbrauch durch Mutter und ein bis zum 24. Lebensjahr undiagnostiziertes Asperger-Syndrom sind eine miese Mischung. Dahingehend ist auch viel in den Charakter eingeflossen.

    Geschwister, ich wünsche dir so viel Erfolg mit deinem Projekt! :)
    Deine Antworten haben mich auch sehr beruhigt, dass du die Sache sensibel angehst. Bleib dran mit der Recherche und dem Feedback von anderen Betroffenen. U.U. stehe ich auch als Betaleserin mit Hintergrund in Sachen komplexes Trauma zur Verfügung, falls du da noch wen brauchst.

    Verfasst in Plauderecke weiterlesen
  • tine-schreibt

    @jeja sagte in Die Frage nach der Psychotherapie für Prota:

    Das, was du als Trauma angegeben hast, ist aber leider nicht als solches klassifiziert. Es gibt Typ I und Typ II Traumata…

    Die dritte Art Trauma ist das sogenannte Komplexe Trauma, das von den Symptomen her mit den anderen Arten identisch ist, es wird aber ausgelöst durch eine Vielzahl von Ereignissen, die für sich genommen nicht ‘ausreichen’, um ein Trauma zu verursachen, die aber in der Summe zu einer Lebenssituation führen, die als ständig unsicher und bedrohlich wahrgenommen wird. Emotionale Vernachlässigung ist eine wichtige Ursache, aber auch Kinder von Substanzabhängigen und Narzissten oder Menschen in emotional gewalttätigen Paarbeziehungen entwickeln oft diese Art Trauma.
    Wenn diese Instabilität und Unsicherheit daher rührt, dass eine bis dahin als liebevolle, zugewandt und verlässlich erlebte Bezugsperson plötzlich emotional nicht mehr verfügbar ist, ist das ein besonders starker Auslöser, weil dir plötzlich und langfristig der Boden unter den Füßen weggezogen wird.

    Zu der Depression die du beschreibst, findest du im ICD-10(da sind alle Krankheiten klassifiziert mit den spezifischen Symptomen) eine genaue Auflistung von Symptomen, die einer Depression zuzuordnen sind.

    Im ICD-10 findet man leider nur eine tote Statistik (das wird einem im Studium nicht gesagt, das begreift man erst später, wenn man es dann mit echten Menschen zu tun bekommt). Wenn man eine Geschichte erzählen will, ist ein besserer Ausgangspunkt für eine Recherche die Erfahrungsberichte von Betroffenen, die man dann im Nachhinein mit dem ICD-10 abgleichen kann, um eine strukturiertere Vorstellung zu bekommen.

    Da deine Prota unter einer Depression leiden soll, wäre es für sie unmöglich, sich über einen neuen Fall zu freuen, weil sie sich nicht freuen KANN.

    Das illustriert meinen Punkt sehr gut, denn was dir ICD-10 nicht sagt:
    Es gibt die emotionale Leere, bei der man gar nichts mehr fühlt (keine Freude, keinen Schmerz, gar nichts; ist die Hölle), und die kann ein Symptom von Depression sein, und es ist sehr schwer bis unmöglich während einer Depression etwas in dem gleichen Maße zu genießen wie man es als gesunde Person könnte, weil halt der Schmerz drumherum nie aufhört. Aber wenn man nicht emotional leer ist, kann man sich selbst in den tiefsten Tiefen der Depression noch auf/über etwas freuen. Es tut halt trotzdem noch alles drum herum weh und die Enttäuschung wenns dann doch nicht so wird wie erhofft, schickt einen in Weinkrämpfe.
    Depressives Erleben ist komplex, das kann eine Liste von Symptomen einfach nicht wiedergeben.

    Meine Freundin meinte, dass der Patient bei einer schweren Depression auch noch funktionieren kann.

    Kann. Es gibt auch Momente, da ist man so durch, dass man es nichtmal aus dem Bett schafft, um auf Klo zu gehen. Ja, man ist so depressiv, dass man ins Bett pisst, weil man schlicht nicht aufstehen kann.
    Und dann gibt es noch die Katatonie, bei der überhaupt gar nichts mehr funktioniert, nicht mal das Denken.
    Und selbst in diesem Zustand ist man noch ein vollständiger, komplexer Mensch und keine Zahl aus einem Handbuch.

    Zu dem LI hat sie gesagt, dass die beiden sich mit ihren Problemen nur gegenseitig runterziehen werden.

    Das kommt schwer drauf an. Es könnte auch so sein, dass die LI die Prota aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen wesentlich besser versteht als eine Gesunde es je könnte, und die Prota die LI besser versteht, und sie, weil sie das Gute und Wertvolle im jeweils anderen sehen, einander helfen und einander aufbauen wollen, und im negativen Self-Talk des jeweils anderen das eigene Kopfkino wieder erkennen und so erste wichtige Schritte auf dem Weg zu einer funktionaleren Perspektive auf ihre jeweilige Situation bekommen, was ihnen dann wiederum helfen kann, einzusehen, dass sie größere Probleme haben als gedacht, für die man vielleicht doch Hilfe in Anspruch nehmen sollte.

    Die Freundin am Ende von Band 1 finde ich irgendwie witzig, weil auf jemanden Rücksicht nehmen, aber gleichzeitig besagte Person motivieren, aus der Komfortzone rauszukommen, ist in meinen Augen widersprüchlich :D

    Man kann jemanden sanft und liebevoll motivieren. Das ist eine Form der Rücksichtnahme.

    Meine Freundin und ich finden, es wäre verantwortungslos, wenn du die psychischen Krankheiten nur als kleinen Nebenplot einfließen lässt.

    Das impliziert, dass das Leben von jemandem, der psychisch krank ist, in der Hauptsache aus dieser psychischen Krankheit bestehen muss. Natürlich ist es so, dass sich eine psychische Krankheit dadurch auszeichnet, dass sie sehr viele Aspekte des Lebens der Betroffenen färbt und beeinflusst, aber zu behaupten, dass eine Geschichte, in der ein wichtiger Charakter depressiv ist, eine Geschichte darüber sein muss, dass dieser Charakter depressiv ist, beraubt Depressive einer angemessenen Repräsentation als vielschichtige Menschen mit vielschichtigen Leben, in denen die Depression eben nicht das größte oder wichtigste ist, was passiert.

    @NelaNequin Ich zieh mich an diesem Punkt aus dem Gespräch zurück, du kannst mich aber gern anpingen, falls du Bedarf hast.

    EDIT: Nela, ich hab deine Antwort erst gesehen als meine schon abgeschickt war. Danke für die ausführliche Erklärung. Das Problem ‘normale’ Leute zu schreiben, kenn ich auch :D

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  • tine-schreibt

    @nelanequin Verstehe. Danke für die Erläuterung.
    Ich kann daraus jetzt nicht wirklich ableiten, wie viel und welche Recherche du schon betrieben hast und wie deine eigenen Erfahrungen mit dem Thema aussehen, deshalb schieb ich jetzt mal einfach noch ein paar Gedanken nach, die mir noch kamen, und die dir evtl. hilfreich dabei sein könnten, dein Ziel einer sinnvollen Darstellung zu erreichen.

    Wie sehr bist du auf das undiagnostizierte ADHS eingeschossen, bzw. ist es tatsächliches ADHS oder nur umgangssprachliche Unkonzentriertheit/Sprunghaftigkeit? Weil tatsächliches ADHS macht einem das Leben echt schwer, und vor allem undiagnostiziert ist ihr Selbstwertgefühl ohnehin nicht so doll, weil sie für unzuverlässig, unselbständig, chaotisch, rücksichtslos, unfähig, dumm etc. gehalten wird und sie viele essenzielle, selbstverständliche Sachen des Alltags einfach nicht kann. Allein davon wird man schon depressiv, da braucht es nicht mal noch ein Trauma zu. Ich meine, vielleicht betreibt sie Selbstmedikation mit Kokain? Dann könnte sie bis zu ihrem Trauma gut genug funktionieren, um sich selbstwerttechnisch zumindest ein bisschen zu berappeln; ist halt die Frage, was sie von sich denkt, wenn sie harte Drogen braucht, um einfach nur ihren Alltag zu managen. Wie Koks mit depressiven Symptomen interagiert, weiß ich jetzt nicht. Als Upper könnte es theoretisch helfen, aber ein ADHS-Gehirn reagiert anders auf Koks als ein neurotypisches.

    Es ist echt scheiße schwer, sich von einem negativen Selbstbild frei zu machen, und dieser Aspekt hinkt jeder Stimmungsverbesserung stark hinterher, weil es zwar auch mit der Hirnchemie zu tun hat, aber sehr viel erlerntes Denken und Verhalten beinhaltet, das man sich erstmal bewusst machen, hinterfragen, durch positivere Sachen ersetzen und die dann ganz langsam üben muss - und ich meine wirklich ätzend langsam, erst recht mit ADHS, das diese ganzen Sachen nochmal zehnfach schwerer macht, und auch ohne ist es zwei Schritte vor, eins-komma-neun Schritte zurück, weil, okay, komm ich aus dem Bett und nachdem ich ne Line gezogen habe, kann ich meine To-Do-Liste abarbeiten, aber das bedeutet noch lange nicht, dass ich da stolz drauf sein darf, oder dass ich vielleicht doch nicht so scheiße bin wie ich dachte.
    Das heißt, selbst wenn sie sich besser fühlt, hat sie noch lange nicht angefangen, besser von sich selbst zu denken und sich für liebenswert genug zu halten, damit sie nicht von Anfang an das Damoklesschwert über ihrer neuen Beziehung schweben sieht.

    Sone Depression ist einfach extrem zäh, vor allem wenn man versucht, sie ohne Medikamente und Therapie zu managen, und dazu noch mit undiagnostiziertem ADHS und dem ganzen Rattenschwanz, der da dran hängt?

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  • tine-schreibt

    @nelanequin sagte in Die Frage nach der Psychotherapie für Prota:

    Meine Prota, eine Hexe, hält sehr wenig davon, obwohl sie die Geschichte bereits mit einer ausgewachsenen Depression (resultierend aus einem Trauma, das sie sich nicht eingesteht, und einem Leben mit undiagnostiziertem ADHS) beginnt.
    (…)
    Das wird sie auch später richtig in den Arsch beißen, weil ihre Depression eigentlich schlimmer wird, sie sich nur sehr effektiv immer wieder hochpusht, bis eine Sache sie dann total aus der Bahn wirft … aber das passiert erst in Band 5.

    Wenn man sich noch hochpushen kann (im Sinne von ‘Ich tue X und fühle mich danach für längere Zeit nicht mehr depressiv’), ist es per Definition keine schwere, sondern eine milde Depression und eine Therapie wäre sicher hilfreich, aber völlig optional.
    Wenn man so richtig depressiv ist, bringt Verliebtsein/neue Beziehung keine Besserung der Symptome, sondern befeuert sie. Weil: "Dieser tolle, liebe, schöne Mensch, was will der mit einer wertlosen, ständig überforderten, ausgelaugten, unfähigen, hässlichen, unliebbaren Scheißperson wie mir? Was, wenn ich etwas falsch mache? Was, wenn er merkt, wie scheiße ich bin?"
    Und ja, während des Sex gehts manchmal etwas besser, aber danach kommt gerne der totale Crash (wie nach XTC), bei dem man möglichst leise ins Kissen schluchzt, damit man den schönen Mensch neben einem im Bett nicht stört.
    Manchmal hat man auch (extrem anstrengende, verwirrende) Stimmungsschwankungen, wos zwischendurch mal für fünf Minuten rosig aussieht, aber eben nur für fünf Minuten.

    Ich stelle hier Vermutungen über dein genaues Plotting/die Dispos an, aber nach dem, wie ich dich verstanden habe:
    Wenn du es auf psychologischen Realismus abgesehen hast, würd ich an deiner Stelle das Staging ihrer Symptome anpassen (sehr mild zum Anfang, damit die Beziehung ihr Befinden verbessern kann), den Konflikt wegen ‘Ich will aber keine Therapie’ nach hinten verschieben und auch die Motivation deiner Prota für den Verzicht darauf anpassen (ich meine, mit ADHS ist es so wie so schwer für sie, Termine zu machen und wahrzunehmen), weil sie erst über den Verlauf der Geschichte tief genug rein rutscht, um eine Therapie tatsächlich zu brauchen.

    Und wenn sie dann depressiv genug ist, kann sie sich nicht mehr pushen, weil das ist die Definition, und dann hast du auch keine Probleme, das zu zeigen (und dass es ne schlechte Idee ist, sich keine Hilfe zu holen), weil es ihr halt ständig scheiße geht.

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  • tine-schreibt

    Also ich plotte frei von jeder Methode und habe dabei drei Perspektivcharaktere.
    Ich hab halt den Anfang meiner Story ziemlich detailliert geplottet, und zu den späteren Kapiteln hin wird es vage und immer stichworthafter. Je weiter ich schreibe, desto mehr fällt mir auch für die späteren Kapitel ein, und so nach jedem erzählerischen Meilenstein (Akt-Ende oder Schlüsselszene) leg ich erstmal ein oder zwei Plotting-Tage ein, bei denen ich in den noch zu schreibenden Kapiteln für mehr Details und Ordnung sorge, mich für Reihenfolgen entscheide usw.
    Das Ganze hat dann die Form von einem großen Kalender voller Post-its (die kann ich austauschen, wenn ich an einem Tag/Kapitel größere Planänderungen vornehme; sehr praktisch)

    Du musst deine Geschichte nicht komplett durchgeplottet haben, ehe du anfängst, zu schreiben, das ist ganz wichtig zu wissen (es sei denn, du blockierst, wenn du nicht genau weißt, was im vorletzten Kapitel gesagt wird, sowas soll auch vorkommen…). Es reicht völlig, wenn du am Anfang nur die erste Handvoll Kapitel und ein paar Ideen für die Mitte und das Ende hast (damit du weißt, worauf du zu schreibst).
    Ich muss meine Charaktere immer erstmal kennen lernen, ehe ich halbwegs zuverlässig vorhersagen kann, wie sie sich übermorgen oder nächste Woche fühlen oder verhalten werden. Entsprechend könnte ich gar nicht detailliert über diesen Zeitrahmen hinaus plotten.

    Verfasst in Schreibhandwerk weiterlesen
  • tine-schreibt

    @annecaterina sagte in Langzeitprojekte abschließen:

    @tine-schreibt für mich geht nach dem Beenden der Geschichte die Liebe erst richtig los. Denn dann darf man feilen, löschen, ausbauen, perfektionieren… das gibt Welt und Charakteren erst so richtig Farbe und Form. Du wirst sie alle danach noch viel besser kennen als jetzt. Und ihnen erst dann vollkommen gerecht werden. Keine Sorge, deine Zeit mit ihnen ist noch lange nicht vorüber ;-)

    Das ist ja die Sache. Was ich gerade schreibe, ist die ausgefeilte Version, die Erweiterung mit den voll realisierten Charakteren. Wenn ich damit fertig bin, gibt es nur noch Kleinigkeiten zu überarbeiten.

    Verfasst in Plauderecke weiterlesen
  • tine-schreibt

    Hey ihr alle.

    Das Projekt, an dem ich gerade arbeite, begleitet mich seit mittlerweile 19 Jahren, doch jetzt trennen mich nur noch 5 bis 6 Kapitel vom letzten Satz und ich weiß nicht so wirklich, wie ich damit umgehen soll.
    Ich liebe die Geschichte, ich liebe die Charaktere, ich habe so unglaublich viel Zeit in dieser Welt verbracht, dass es mich fertig macht, zu wissen, dass ich dort bald keine neuen Dinge mehr erleben werde.
    Es ist nicht so, dass ich nicht wüsste, was ich als nächstes tun soll; ich habe ein halbes Dutzend von Folgeprojekten, aus denen ich auswählen kann und auf die ich Lust habe. Aber es ist, als müsste ich mich von einem Teil von mir selbst trennen.

    Und ich habe das Gefühl, als würde ich gerade gegen einen Widerstand anschreiben. Jede fertige Szene bringt mich dem Abschied näher, also suche ich nach Problemen, mit denen ich mich davon abhalten kann, voranzukommen, und anstatt die letzte Zeit mit meiner Geschichte zu genießen, ist es ein frustrierender Kampf um jeden Satz.

    Geht es hier noch jemandem so? Ich brauch wen, um mein Leid zu teilen -.-

    Verfasst in Plauderecke weiterlesen
  • tine-schreibt

    Ich schreibs aus wie ichs sprechen würde. Halb neun, viertel vor fünf, acht Uhr dreißig… Man weiß, was gemeint ist.

    Verfasst in Die Schreibnacht-Deutsch-Nachhilfe™ weiterlesen
  • tine-schreibt

    Ich habe eine Fünf-Tage-Woche. Ich schreibe vier Tage, dann mache ich einen Tag Pause. Wenn ich mich nicht zwinge, Pausen zu machend, schreibe ich bis mein Hirn streikt, und das will niemand.
    An meinen Schreibtagen arbeite ich ziemlich frei. Ich habe drei Schreibrunden von je zweimal fünfzehn Minuten, mit denen ich meistens irgendwann vormittags anfange und dann so gegen zwei oder drei abschließe. Dazwischen mach ich längere Pausen, in denen ich über die aktuelle Szene oder irgend eine andere nachdenke, plotte, systematisiere oder in den Garten gehe und mich mit irgendwas anderem beschäftige.
    An manchen Tagen schreibe ich nur eine oder zwei Runden, je nach dem wie viel ich geschafft kriege oder wie anstrengend es ist, oder auch wie weit eine Szene halt fertig gegoren ist.

    Verfasst in Plauderecke weiterlesen
  • tine-schreibt

    Zu Selbstzweifeln fallen mir zwei Sachen ein:

    1. Nimm dir mal Zeit und überleg dir, was dir persönlich an deiner Arbeit wichtig ist - also an einem Plot, Charakteren, Beziehungen, Szenen allgemein, aber auch ganz konkret an dem Projekt, an dem du gerade arbeitest. Was findest du gut? Was macht für dich den Reiz aus? Was ist deiner Ansicht nach handwerklich sinnvoll, unabhängig davon, was in irgendwelchen Ratgebern steht.
      Die Sache ist nämlich die: Dem einen sein Lieblingsbuch ist dem anderen sein Bleh-was-ein-Schrott.
      Selbst wenn du alles nach anderleuts Maßstäben ‘richtig’ machst (was nicht geht weil es zu viele widersprüchliche Maßstäbe gibt) kann dir niemand garantieren, dass dein Buch veröffentlicht wird und anders herum, nur weil dein Buch ‘schlecht’ geschrieben ist, heißt das nicht, dass es nicht groß rauskommen und millionenfach in der ganzen Welt gelesen werden kann.
      Das ist einfach etwas, das man nicht kontrollieren kann, das nichts mit dem Befolgen von Schreibtips zu tun hat, und das man als Autor_in einfach akzeptieren muss. Es gibt keine Garantie. Egal was du tust. Also lass los.
      Wenn du etwas schreibst, das für dich persönlich einen großen Reiz hat und wenn du dabei deinen eigenen Werten und Überzeugungen entsprechend arbeitest, hast du auf jeden Fall etwas richtig gemacht, weil du dem folgst, was du für gut und richtig hältst.
      Letztenendes kannst nur du der Maßstab für dein Schreiben sein, weil es dein Schreiben ist und niemandes sonst. Mit etwas Glück begeistern sich auch andere dafür. Und wenn nicht, scheiterst du immerhin aus Überzeugung und nicht als fremdbestimmte Brezel.

    2. Nur für den Fall: Geht es dir nur beim Schreiben so oder fühlst du dich auch außerhalb davon in letzter Zeit unsicher, ängstlich, überfordert?
      Aus langjähriger - und auch allerjüngster - Erfahrung kann ich sagen, dass ich meine Schreibe besonders dann in destruktiver Weise anzweifle, wenn es mir allgemein psychisch nicht so gut geht. Das war sogar so einer meiner ‘Messpunkte’ wenn es darum geht, zu bewerten, wie depressiv ich bin. Also, wie stark zweifle ich an meinem Buch und meinem Können. Find ichs nur meh, schlecht oder richtig scheiße?
      Falls das auf dich zutrifft, kann es helfen, wenn du mal guckst, was dich in deinem Leben gerade so belastet und dann weniger davon machst und stattdessen öfter mal lieb zu dir selber bist. Wenn das nicht hilft, würde ich mal mit jemandem reden, der sich damit auskennt.

    Verfasst in Schreibhandwerk weiterlesen

Es scheint als hättest du die Verbindung zu Schreibnacht verloren, bitte warte während wir versuchen sie wieder aufzubauen.