• Baltimore

    (Kein Problem, das lässt sich, bei Interesse, sicherlich nachholen. :D )

    Nein, ich persönlich brauche nicht in jedem Roman eine Liebesgeschichte. Ich habe in den meisten eine drin, aber bis auf Ingas und Philippas Beziehung in “Frostbiss” spielt sie - meines Empfindens nach - nirgendwo eine dermaßen zentrale Rolle. Ich finde Liebesgeschichten als Leser auch schön, aber als Schriftstellerin empfinde ich es nicht immer als notwendig, ein großartiges Beziehungsdrama der romantischen Art einzuflechten. Es kann schön sein und Spaß machen, aber nicht immer ist es notwendig. So gibt es in meinem Roman “Rehruf”, einem Fantasy-Jugendroman keine aktive Liebesgeschichte.
    Ich kenne auch viele Autoren, die meinen, dass sich das nicht verkaufen würde, aber mir ist das ziemlich egal. Wenn es sich nicht ergibt und nicht richtig anfühlt, erzwinge ich keine Liebesgeschichte, schon gar keine, die forever and ever überdauert und destiny sein soll. Dabei mag ich “epische” Liebesgeschichten auch, wenn sie gut gemacht sind, aber ich zweifle noch daran, dass mir das in der Umsetzung gelingt.

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  • Baltimore

    Sehr interessante Frage!
    Auch das ist bei mir immer unterschiedlich. Manchmal habe ich sehr klar vor Augen, in was für einer sozialen Struktur ein Charakter aufgewachsen sein soll, was ihn geprägt hat und eben zu dem macht, was er letzten Endes im “Happening” des Romanes ist. Das kommt immer darauf an, was es für eine Art Charakter ist. Den Protagonisten ergründe ich meist genauer als die Nebencharaktere, schreibe schon, bevor ich den Roman beginne, Szenen aus seiner Sicht oder fertige eine grobe Charakterstudie an, um mich in ihn einzufühlen. Bei Nebencharakteren gehe ich dahingehend sanfter vor. Sie lasse ich erst im Text entstehen, versuche selbst noch herauszufinden, wer sie eigentlich sind und was für eine Rolle sie möglicherweise in der Geschichte spielen werden.
    Was die matriarchalische Gesellschaft in Séance betrifft, habe ich diese Entscheidung nicht bewusst getroffen, sondern es kam, als ich probeweise Alexejs Gedanken zu seiner eigenen Vergangenheit aufschrieb. Da hat sich herauskristallisiert, dass er unterdrückt worden ist, also habe ich mich gefragt -> wie? Am Leichtesten ging das über sein Geschlecht und diese Spielerei mit der Geschlechterunterdrückung, die in DresdenX, bzw. in der ganzen Gesellschaft der Magos, wie ein Gegenspiel zu dem ist, was in unserer Welt in unterschiedlichen Schattierungen besteht, hat mich selbst so sehr fasziniert, dass ich sie umgesetzt habe. Man könnte sie sicherlich als Kritik an unserer Gesellschaft sehen, aber als solche war sie nicht bewusst vorgesehen, sollte das überhaupt eine Rolle spielen. :)

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  • Baltimore

    Hallo :)

    Diese Frage zu beantworten fällt mir immer etwas schwer, aber ich gebe mal mein Bestes! Ich habe aus gesundheitlichen Gründen immer wieder Ausbildungen angefangen, u. A. zum Mediendesigner, in der Gastronomie oder als Physiotherapeutin, aber meine psychische Krankheit hat mir immer einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die ersten zwei Jahre als Indie-Autorin habe ich trotzdem nebenbei so gut wie möglich hier und dort gearbeitet oder eben eine Ausbildung angefangen und versucht, mitzuhalten, bis es mir nicht mehr möglich war. Und jetzt sind es fast vier Jahre, die ich als Selfpublisherin tätig bin und ich bin extrem froh, etwas machen zu können, was mir auch mit schlechter Gesundheit möglich ist und zusätzlich auch noch Freude bringt.
    Um mir etwas dazuzuverdienen, arbeite ich nebenbei außerdem immer mal freiberuflich als Korrektorin.

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  • Baltimore

    Hallo Nion,
    vielen Dank, ich freue mich auch sehr, hier zu sein! :)

    Grundsätzlich setze ich mir einen monatlichen Wordcount von 30.000/31.000 Wörtern pro Monat, sodass für jeden Tag 1000 Wörter vorgesehen sind. Das habe ich vor einem Jahr noch jeden Tag durchgepeitscht und mich selbst sehr hart unter Druck gesetzt - mittlerweile sehe ich das nicht mehr so eng. Ich schreibe trotzdem jeden Tag, aber das rangiert von 15 bis zu 4000 Wörtern (im groben Schnitt, würde ich sagen), je nachdem wie gut es läuft. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass zu viel Druck bei mir dafür sorgt, dass die Geschichte in unrealistischen Bahnen verläuft - und dem beuge ich vor, indem ich mir insgesamt mehr Zeit zum Schreiben nehme. Sowohl täglich als auch beim Zeitrahmen für die Rohfassung.

    Ich arbeite immer parallel an Büchern in unterschiedlichen Stadien - wenn ich mein eines Projekt schreibe, überarbeite ich das Andere und das Dritte plane ich. Wenn ich also mit einem Buch fertig bin, geht dieses in die Überarbeitung, das von der Planungsphase rutscht in die Schreibphase und wenn ich schon eine Idee für das nächste Werk habe (was meist der Fall ist), beginne ich dort mit dem Planen. So habe ich immer genug zu tun und kann auch ausweichen, falls es bei einer Sache nicht so laufen sollte.

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  • Baltimore

    Eine Fangemeinde hatte ich auf keinen Fall, nur ein paar Autorenkollegen aus einem Schreibforum, die ebenso aufgeregt waren wie ich, aber sonst habe ich tatsächlich bei 0 angefangen. Zu Beginn hatte ich nicht einmal eine Facebook-Seite und wusste nicht so recht, wie man Marketing macht und ob sich das eigentlich wie - pardon, eine Überteibung - Prostitution anfühlen muss.
    Für das Selfpublishing habe ich mich entschieden, weil ich enttäuscht von meinen wenigen Kontakten zu Agenturen und Verlagen war und abgeschreckt von dem Gedanken, mit anderen Menschen zusammenarbeiten und Kontrolle abgeben zu müssen. Im Sommer 2012 hat meine Mutter mich schließlich aufs Selfpublishing gebracht, als Amazon das Kindle Direct Publishing angeboten hat. Zuerst fand ich das dubios, ich kannte nur “Books on Demand” als System, bei dem man sich selbst in Unkosten stürzte - aber nach ausgiebiger Recherche war ich angefixt von dem Gedanken und habe intensiv mein erstes Buch überarbeitet und schließlich veröffentlicht. Von da an hat sich das dann verselbständigt, könnte man wohl sagen.

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  • Baltimore

    @Jen sagte in Lohnt sich selbst veröffentlichen?:

    @Baltimore Was waren denn deine ersten Fehler?

    Grausige selbstgebastelte, “künstlerisch wertvolle” Cover (das hab ich dir ja schon mal gezeigt), aggressives Marketing (jeden Tag einen Link zu Amazon posten ist nicht sehr sinnvoll und schreckt ganz schnell ab) und dass ich Kritik viel zu persönlich genommen habe.
    Bestimmt habe ich noch mehr Fehler gemacht und mache sie noch immer, das finden wir dann in den nächsten vier Jahren heraus und schämen uns.

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  • Baltimore

    :D Waha. Ich heiße auf Twitter ja nicht umsonst Satans Tippse. In mir sitzt ein böser, kleiner Mann und will erhört werden …

    Nein, mal ehrlich - ich versuche, so viel Konflikt wie möglich einzubauen, damit es mir beim Schreiben nicht langweilig wird und somit auch der Leser um eine Gähnlektüre drumherum kommt. Mal gelingt es mir und dann wirkt es vermutlich, als wäre ich gemein (was ich bestimmt auch bin), aber ich hoffe doch, dass meine Charaktere immer gestärkt aus ihren Erfahrungen hinausgehen.
    Ich motiviere mich zum Sadismus, indem ich böse Lieder höre, ganz klar. Und außerdem leide ich gerne beim Schreiben und insgeheim glaube ich auch, dass meine Charaktere drauf stehen. (Kann sein, dass da Satan aus mir spricht.)

    P.S.: Ich bin kein Satanist
    P.P.S.: Nicht, dass das eine Rolle spielen würde …

    (Danke für diese herrliche Frage. :D )

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  • Baltimore

    Oh, das kann ich pauschal natürlich nicht für alle Selfpublisher beantworten, aber für mich hat es sich gelohnt. Es kommt aber auch darauf an, was man vom Selfpublishing erwartet. Die Träume vom großen Ruhm habe ich mir ziemlich schnell aus dem Kopf geschlagen, aber der, gut genug vom Schreiben leben zu können, ist immer noch da. Wenn man sich ordentlich informiert und realistisch an die Sache herangeht (obwohl man zur gleichen Zeit auch nicht ohne Träume sein sollte, das wäre ja öde), die nötige Arbeit hineinsteckt und sich ein dickes Fell wachsen lässt (das musste ich schmerzhaft lernen), steht einem meiner Meinung nach nichts im Wege.
    Rückblickend würde ich demnach mir selbst nicht davon abraten, aber ich würde mir wünschen, ich hätte etwas später mit dem Selfpublishing begonnen. Mit 19 war es doch etwas früh, vor Allem wenn ich auf mein erstes Buch zurückblicke. Ich mag es noch immer, aber ich habe viele Fehler gemacht, sowohl beim Schreiben als auch beim Selfpublishing. Aber nur so kommt man voran und entwickelt sich, fürchte ich.

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  • Baltimore

    Hallo :)

    Immer mal mache ich mir Notizen, ja. Mal ausführlicher, mal sind es nur ein paar Worte, damit ich etwas nicht vergesse. Bin ich auf dem Sprung, schreibe ich sie mir entweder an mein Whiteboard oder auf irgendeinen Zettel, der dann ewig und drei Tage auf meinem Schreibtisch herumgammelt und darauf wartet, dass ich das Ganze in den PC tippe, sollte es denn noch von Relevanz sein und sich nicht als total umnächtigter Blödsinn entpuppen. Denn meine wirklich wichtigen Notizen trage ich in mein Scrivener-Dokument ein. Scrivener erlaubt es mir, sowohl Planung als auch das Manuskript gut und übersichtlich in einer Datei zu haben - das erspart mir tausend Dokumente, die ich einzeln öffnen muss, um etwas zu finden.

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  • Baltimore

    Hallöchen :)

    Eine typische, aber immer sehr schwer zu beantwortende Frage, wie ich finde. Bei mir persönlich gibt es darauf keine klare Antwort. Ich kann Inspiration überall finden, aber nicht immer funktionieren die gleichen Strategien. Neue Ideen tauchen bei mir vor Allem in alltäglichen Situationen auf, in denen mir plötzlich etwas auffällt oder eben einfällt, das meine Gedanken ankurbelt und für elektrisierende Inspiration sorgen kann. Bei einem meiner Romane ging alles von einem frühen Wintermorgen aus, an dem der Schnee von den Bäumen tropfte. Das musste ich aufschreiben, ich musste dafür Worte finden, selbst wenn es keinen konkreten Zusammenhang zu irgendeiner Geschichte gab. Dann habe ich es aufgeschrieben und dann ergab sich plötzlich mehr daraus als gedacht. (Manche solcher Momentideen reichen nur für einen Tweet, andere eben für einen Roman.)
    Wenn ich mich von der Inspiration verlassen fühle, muss ich mich auch mal gezielt auf die Suche begeben. Da müssen Serien, Bücher, Filme und Musik ebenso hinhalten wie ein spontaner Besuch am Strand.

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Es scheint als hättest du die Verbindung zu Schreibnacht verloren, bitte warte während wir versuchen sie wieder aufzubauen.