Aufgabe [15] Kurzgeschichte: Science Fiction, Mondscheinsonate, Titel: „Hannah“, 1230 Wörter

„Hannah“ (imachd. 15.03.2017)

"Die Offiziere Marc Perrtona und Rudolph Rattans, genannt Rats waren zusammen für den Patrouillenflug des Raumgleiters „Cat“ eingeteilt worden. Dies war eine Besonderheit, denn normaler weise arbeiteten beide in völlig separaten Abteilungen des Verteidigungssystems. Der offizielle Grund für die außergewöhnliche Zusammenstellung des Duos war, dass das größte Versorgungsschiff die „Morning“ von Terra IV das Sonnensystem Hydra passieren sollte. Die Wissenschaftler dieses erdähnlichen Planeten hatten mehrere kollabierende Sterne, von Meteoren verursachte Sternenexplosionen und Magnetstürme in der Hydra-Galaxie beobachtet. Auf dem Frachtschiff war man besorgt, ob eine Passage von Terra IV durch diese Hydra Galaxie zur Sonnengalaxie, dem Ziel aller Versorgungsschiffe, überhaupt noch möglich sein würde. Deshalb wurde die „Cat“ voraus geschickt, um eventuelle Explosionen, Magnetbewegungen und Unregelmäßigkeiten in den Planetenkonstellationen aus zu kundschaften und der „Morning“ zu melden.
Marc, der als der beste Navigator und Spurenleser der Versorgungs- und Verteidigungseinheiten galt, arbeitete nur ungern mit Rats, einem athletischen Soldaten der kämpfenden Truppe zusammen. Letzterer hatte einen sehr schlechten Ruf als aufdringlicher Frauenheld und stach durch seine Unzuverlässigkeit beim Dienst hervor. Marc zerbrach sich den Kopf, warum ihm ausgerechnet dieser schmierige Typ zugeteilt worden war, der bisher erst an einem einzigen gemeinsamen Erkundungsflug beteiligt gewesen war. Zu allem Überfluss hatte man ihnen auch noch Hannah, eine Kadettin der Militärakademie, zugeteilt, die ihre ersten Erfahrungen auf einem Forschungsgleiter machen sollte. Hanna war groß, blond und äußerst attraktiv. Sie war bereits in der „Morning“ zu gestiegen und hatte sich mit den Männern bekannt gemacht. Während sich die „Cat“ rasch vom Mutterschiff entfernte, ließ sich Hannah von Rats das kleine Schiff erklären. Es bestand nur aus dem Cockpit mit drei Sitzplätzen und dem dahinter liegenden Technikraum. Ganz am Ende war noch eine Minikajüte für 2 Personen untergebracht. Theatralisch erklärte er der jungen Frau die Instrumente, von denen er kaum eine Ahnung hatte. Dann erbot er sich scheinheilig, der hübschen Blondine den Technikraum zu demonstrieren. Marc konnte seinen Pilotenposten nicht verlassen, denn er musste einen riesigen rot dampfenden Stern beobachten, den sie gerade passierten und auf dem es gewaltig brodelte. Er hatte große Mühe, den Gleiter einigermaßen auf Kurs zu halten, weil die Eruptionen auf dem Stern immer stärker wurden. Mit äußerstem Unbehagen beobachtete er, wie sich Rats anschickte, im Technikraum zu verschwinden. Marc fragte sich immer wieder, weshalb solche Charakternullen wie Rats überall mit ihren rüpelhaften Manieren und ihrer lässigen Arbeitsauffassung durchkamen, aber der jungen Kadettin schienen diese Eigenschaften bei Rats noch nicht auf gefallen zu sein. Die arglose Schülerin wollte dem athletischen Soldaten gerade folgen, als sich Mark noch einmal laut räusperte. Von seiner Tochter Julie, einer Kadettin für Spionageabwehr, die ungefähr in Hannahs Alter sein mochte, hatte er eine Zeichensprache erlernt, die von den Geheimagenten nur in Zeiten der äußersten Not auf Feindgebiet angewendet wurde. Er warnte Hannah wild gestikulierend und in aller Eile vor den Zudringlichkeiten seines Pseudocopiloten und bat sie, vorsichtig zu sein. Marc betete inständig, dass sie diese Zeichensprache bereits beherrschte. Die Kadettin erwiderte für einen kurzen Moment seinen Blick, um dann ihrem Führer zu folgen. Doch Marc hatte keine Gelegenheit mehr, sich um die beiden anderen Mitfahrer zu kümmern, denn auf dem roten Planeten explodierten zeitgleich mehrere Vulkane, die ihre Asche kilometerweit in den Orbit schleuderten. Im selben Moment wurde die „Cat“ von mehreren Raumschwingungsstößen erschüttert. Er hörte von hinten einen erstickten Schrei während der Gleiter sich um die eigene Achse drehte und auf den explodierenden Planeten zu trudelte. Obwohl Marc auf seinem Sitz fest angeschnallt war, wurde er mehrfach hin und her geschleudert. Mit letzter Kraft stellte er den Autopiloten auf manuelle Bedienung um, riss die Maschine hoch und trat mit Höchstgeschwindigkeit den Rückflug an. Er beschleunigte solange, bis die reflektierenden Sterne um ihn herum zu einem Glitzerstrahl zusammen schmolzen. Dann setzte Marc sofort einen Notruf an die „Morning“ ab und drückte den roten Alarmknopf. Sämtliche Lampen und Birnen flackerten rot auf und ein ohrenbetäubendes Warnsignal erschütterte das kleine Schiff. Doch Rats und Hannah ließen sich nicht blicken. Der 1. Pilot wollte trotz der noch fort währenden leichten Turbulenzen seinen Platz verlassen, um nach dem Rechten zu sehen. Doch bevor er die Sicherheitsgurte lösen konnte, stürmte sein Copilot in die Kanzel. Rats rechte Wange hing zerfetzt nach unten und er blutete so heftig am Kopf, dass er sich kaum auf den Beinen halten konnte. „Du Blödmann,“ schrie er Marc hysterisch an: „Ich zeig Dich an, du Drecksau, du bist selbst zum Fliegen zu blöd,“ ohne auch nur im Geringsten den Grund für plötzlichen Erschütterungen verstanden zu haben. Hannah erschien kurz hinter ihm auf der Bildfläche und hielt sich mit beiden Händen an den Hängeschlaufen im Gang fest. „Das würde ich an Deiner Stelle bleiben lassen, sonst bekommst du nämlich eine Strafanzeige, die sich gewaschen hat,“ brüllte die junge Frau von hinten. Rats hatte sich wegen des schüttelnden Gefährts in den Sitz des 2. Copiloten fallen lassen und stierte aus blutunterlaufenen Augen gerade aus. Mit zusammen gekniffenen Lippen harrte er stumm in seinem Sitz aus, bis sie endlich die Landebahn im Inneren des Mutterschiffes erreicht hatten. Die Außentür schwang auf und Rats stürmte wie von einer Tarantel gestochen nach draußen ohne auf die anderen beiden Crewmitglieder zu warten. Marc jedoch musste erst noch die Maschinen ausschalten, die Alarmsignale neutralisieren und die Schäden an der Außenhülle begutachten. Sie hatten noch mal Glück gehabt, denn außer ein paar Kratzern und kleinen Dellen war die „Cat“ unbeschädigt geblieben. Doch es dauerte noch mindestens 15 Minuten, bevor er sein kleines Schiff verlassen konnte. An der kleinen Gangway wartete Hannah. Sie war von mehreren hochrangigen Generälen und Führungssoldaten umringt und diskutierte aufgeregt mit ihnen. Der 1. Pilot wunderte sich, woher die Haute Volaute der militärischen Elite so plötzlich hergekommen war. Erst als er sich einen Weg durch die kleine Gruppe bahnte, fiel ihm auf, dass Hannahs Uniform an einigen Stellen zerrissen war und das Knopfrevers nur noch mit 2 statt 5 Knöpfen verziert war. Er machte sich erschüttert auf den Heimweg und holte den antiken CD-Player aus seiner Umhängetasche. Jetzt wollte er nur noch ein bisschen Musik auf einer alten mitgebrachten CD hören, um zu entspannen. Er öffnete eine Plastikhülle und legte mit zitternden Händen eine unbeschriebene CD in den Player ein. Noch bevor er sich auf das Laufband stellen konnte, welches ihn in die Offiziersmesse bringen sollte, hielt ihn jemand am Arm fest. Hannah stand unerwartet neben ihm und blickte ihn aus ihren großen blauen Augen an: „Vielen Dank für die Warnung,“ sagte sie anerkennend. Dann drehte sie sich auf dem Absatz herum, noch bevor er etwas erwidern konnte und stolzierte wieder zurück zu der Gruppe der hochrangigen Militärsoldaten. Marc sah ihr erstaunt nach, betrat das Laufband und schaltete den kleinen Knopf ein. Doch statt der harten Rockmusik, die er erwartet hatte, hörte er die Mondscheinsonate von Ludwig van Beethoven. Da hatte ihm wohl Eliah, sein jüngster Sohn, einen Streich spielen wollen und die CD´ s ausgetauscht. Auch gut, ihm war viel mehr nach Ruhe zu Mute als nach lauter Beschallung. Hauptsache die Angelegenheit heute war ausgestanden.

Rats wurde bereits nach wenigen Tagen auf einen bedeutungslosen und langweiligen Planeten umgesiedelt… Man munkelte, er sei vom zivilen Dienst suspendiert und aus der Armee unehrenhaft entlassen worden.
Hannah machte drei Jahre später ihr Offizierspatent mit Summa cum Laude und wurde Topmanagerin für innere Sicherheit und Disziplinarwesen im Verteidigungsministerium von Terra IV. Marcs Tochter Julie und Hannah lernten sich während ihrer gemeinsamen Ausbildung in der Offiziersschule näher kennen und wurden die besten Freundinnen."

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