Er saß wie jeden Tag auf seinem Platz vor dem Diner in der seine Liebste arbeitete. Die Sonne schien auf die smarten weiß-gelb gestreiften Sonnenschirme hinab. Gleich würde sie heraus kommen und ihn ansprechen. Auf die Sekunde genau kam sie an seinen Tisch “Kann ich ihnen noch etwas Kaffee bringen?” “Ja bitte meine Liebe” “Möchten sie noch etwas?” sie lächelte ihn zaghaft an, er schüttelte den Kopf “Nein danke, der Kaffee und dein Lächeln reichen mir” sie wandte sich um und ging wieder hinein. Normalerweise würde sie gleich mit einer Kanne frischem Kaffee rauskommen und ihm nachschenken, doch diesmal dauerte es verdächtig lange. Stirnrunzelnd hob er den Blick von seiner Zeitung und sah wie sie mit einem fremden blonden Mann sprach. Sie strahlte sogar! “Wie kann sie es wagen mit anderen zu flirten, wo sie doch meine Freundin ist?!”dachte er sich. Er nahm sich vor diese Konkurrenz aus dem Weg zu schaffen, irgendwie. Der junge Mann beugte sich näher zu ihr und sprach leise in ihr Ohr. Sie nickte und kam kurz darauf mit dem bestellten Kaffee hinaus. “Verzeihen sie die lange Wartezeit. Heute ist viel los und ich bin allein, meine Kollegin hatte sich heute morgen krank gemeldet.” Er nickte widerwillig, schließlich sollte ihre Beziehung nicht unter ihrer Arbeit leiden. “Ist schon gut meine Liebe, ich warte gern auf sie.” Sie errötete und verschwand auch direkt nach dem einschenken wieder ins Diner wo sie sich um die anderen Kunden kümmerte. Der junge Mann war in der Zwischenzeit scheinbar wieder gegangen, denn er konnte ihn nirgendwo im Lokal ausmachen. Er sah auf den Fußgängerweg wo er den Blondschopf ausmachte, schnell stand er auf legte die Geldscheine für die Rechnung auf den Teller und stellte die Tasse über die Scheine damit sie nicht weggeweht wurden. Seine Liebste hob den Blick und er winkte ihr zu dass sie abkassieren konnte. Dann ging er schnellen Schrittes hinter dem Konkurrenten her, er musste da dringend etwas mit diesem Typen klären. Als sie an eine Kreuzung kamen und die Ampel auf Rot sprang sammelten sich viele Menschen. Ein Blick auf seine Armbanduhr zeigte ihm auch warum, es war Mittagszeit Schichtwechsel. Als er den Blick genervt von seiner Uhr los riss, stellte er fest dass er in diesem winzigen abgelenkten Moment seinen Rivalen aus den Augen verloren hatte. Der war in der Menschenmasse nicht mehr auszumachen. Also drehte er um und ging zu dem Diner zurück, als er sich an seinen gewohnten Platz setzte und die Hand zur Bestellung erhob, war er mit sich unzufrieden. Wie konnte er nur eine solche Gefahr für seine Beziehung aus den Augen verlieren? Den Rest des Tages würde wieder wie immer verlaufen, er würde sich gleich ein Mittagessen bestellen und sie auf ein Getränk einladen, dass sie dankend ablehnen musste, da sie mit den Gästen nichts zu sich nehmen durfte. Sie kam noch während seines Gedankens an seinen Tisch geeilt “Guten Tag darf ich ihnen etwas bringen?” “Ja bitte meine Liebe, das Tagesmenü und dazu ein kaltes Bier” sie nickte und verschwand wieder ins Lokal. Mittlerweile war es unangenehm warm, also zog er sein Jacket aus und hängte es über die Stuhllehne. Seine Zeitung vom Vormittag lag noch immer auf dem Tisch mit dem Getränkekartenständer obendrauf, wahrscheinlich damit der Wind sie nicht davon trug. Er nahm seine Zeitung und las an dem Artikel weiter bei dem er so abrupt aufgehört hatte.Sie brachte kurz darauf das Essen, ein Schnitzel Wiener Art und Kartoffelsalat dazu eine Scheibe Zitrone und etwas bunten Salat. Das Bier war so kalt dass das Glas direkt beschlug und sie einen Untersetzer hinlegte bevor sie es abstellte. “Danke meine Liebe, kann ich ihnen auch ein Getränk ihrer Wahl ausgeben um mich für ihre stete Freundlichkeit ein wenig revanchieren zu können?” “Nein, danke. Sie wissen doch ich darf nicht, wenn das der Chef raus finden würde wäre ich meinen Job los.” Sie lächelte ihn an und ging dann schnellen Schrittes wieder ins Diner zurück. Er aß genüsslich sein Schnitzel, die Zitrone quetsche er mit der Gabel auf dem Fleisch aus und stellte sich vor er würde den Kopf seinen Rivalen auf dem Bürgersteig mit seinen Füßen genauso zerquetschen. Dieser Gedanken gefiel ihm. Die Salate waren eine Erfrischung bei der unangenehmen Hitze. Zum Abschluss lehnte er sich im Stuhl zurück mit seinem Bier und pustete die Krone runter bevor er einen großen Schluck nahm. Ein Blick auf seine Uhr sagte ihm dass sie in 4 Stunden Feierabend hatte. Wie jeden Abend würde er sie in zügigem Tempo nach Hause geleiten, damit ihr auf der dunklen Straße nichts passierte. Vor ihrer Türe würde sie sich wieder freundlich von ihm verabschieden, er respektierte ihren Wunsch dass die Beziehung noch nicht reif war für den Schritt über die platonische Grenze hinaus. Aber eines Tages würde sie sich ihm hingeben und er würde es genießen. Sie kam um den Tisch abzuräumen. “Hat es ihnen geschmeckt?” “Ja meine Liebe, es war sehr lecker. Kompliment an den Koch, heute hat er sich übertroffen.” Sie errötete und räumte schnell das Geschirr auf ihr Tablett. “Darf es noch etwas sein?” “Nein danke meine Liebe, nur die Rechnung bitte.” Wieder ging sie in das Gebäude nur um kurz darauf zurückzukommen mit der Rechnung. Er gab ihr den Betrag und ein großzügiges Trinkgeld. “Ich warte hier wie immer auf dich meine Liebe.” “Einen schönen Tag wünsche ich ihnen noch, danke dass sie uns beehrt haben.” Er widmete sich wieder seinem Bier und seiner Zeitung. Ehe er es sich versah ging die Straßenlaterne hinter ihm an und es frischte etwas auf. Er zog fröstelnd sein Jacket an, die Zeit war heute wie im Flug vergangen. Er brachte sein leeres Glas ins Diner, wo seine Liebste bereits anfing sauber zu machen.”Oh vielen Dank, dass wäre doch nicht nötig gewesen!” Als sie ihm das Glas aus der Hand nahm berührten sich für einen Wimpernschlag ihre Fingerspitzen und sie zuckte zurück. Das Glas fiel auf den Boden wo es klirrend in hunderte Splitter zersprang. “Oh mein Gott, ich bin ja so ungeschickt! Verzeihen sie!” rief sie total aufgeschreckt und rannte in die Kammer hinter dem Tresen, dort waren scheinbar die Putzutensilien untergebracht, Kurz darauf erschien sie mit Feger und Schmutzschaufel. Er hatte sich bereits gebückt und einige Scherben mit den bloßen Händen aufgehoben. “Nicht doch, sie werden sich verletzen!” Sie klang so verzweifelt, dass er lächelnd den Blick hob und sich auch promt an einer Scherbe schnitt. “Ist es sehr schlimm?” Er sah die Wunde an und schüttelte den Kopf “ Nichts was etwas Wasser und ein Pflaster nicht reparieren könnte.” So verschwand kurz aus seinem Blickfeld und kam auch fast direkt wieder zurück. In der Hand hielt sie ein Fläsch­chen Desinfektionsmittel, Pflasterstreifen und eine Schere. “Kommen sie ich verarzte sie.” Sie ging mit ihm zum Tresen wo sie ihm am Becken mit etwas Wasser die Wunde abspülte, danach tupfte sie sie vorsichtig mit einem sauberen Tuch ab, benetzte sie dann mit dem Desinfektionsmittel, schnitt das Pflaster zurecht und klebte es ihm fast schon fachmännisch auf die Wunde. “So das wäre geschafft.” Dann fegte sie hektisch die Scherben zusammen. Er sah auf ihren wundervollen Knackpo der bei ihren hektischen Säuberungsversuchen hin und her schwang. Er träumte von einer gemeinsamen Zukunft in der sie ihn nicht nur platonisch liebte. Nein sie würde sich in seinen Armen vor Lust winden und seinen Namen schreien wenn sie sich vereinten. Er hoffte nur sie würde ihn nicht mehr zu lange warten lassen. “Fertig, ich würde nun gerne das Diner schließen.” Er nickte und ging zur Tür, hielt sie auf damit sie das Lokal verlassen konnte und trat zur Seite während sie absperrte. Galant hielt er ihr den Arm hin “Darf ich sie nach Hause bringen Mylady?” Sie sah ihn mit großen Augen an und lachte zum ersten Mal. “Oh sie sind ja ein richtiger Gentleman. Doch ich laufe lieber alleine” Dann ging sie an ihm vorbei und machte sich auf ihren Heimweg. Er blieb stets einige Schritte hinter ihr, so lief sie in zügigem Tempo durch die finsteren Straßen. Als sie außer Atem an ihrer Haustür ankam und mit zitternden Fingern aufsperrte, trat er neben sie. “Ich wünsche ihnen eine gute Nacht. Soll ich sie morgen früh abholen oder treffen wir uns im Diner?” Sie hatte endlich geschafft die Tür zu öffnen und trat schnell hinein. “Ich danke ihnen dass sie mich begleitet haben, nun muss ich aber wirklich ins Bett. Wir sehen uns dann morgen im Diner, wie immer Gute Nacht.” Schnell schlug sie ihm die Tür vor der Nase zu, bevor er noch etwas erwidern konnte. Am nächsten Morgen stand die Polizei vor dem Diner und nahm ihn in Empfang. “Es liegt eine Anzeige wegen Nötigung gegen sie vor, kommen sie bitte mit uns. Wir müssen ihre Personalien klären.” Er sah erstaunt in das Diner wo sie in Tränen aufgelöst gegen den blonden jungen Mann gelehnt stand, diesmal betrachtete er den Typen genauer. Dieser trug einen grauen Anzug am Hosenbund einen Gürtel mit Pistolenhalfter und einer Polizeimarke. Schlagartig platzte sein Traum von einer Zukunft mit ihr. Sie wollte ihn nicht, würde ihn nie wollen sonst hätte sie nicht die Polizei dazwischen geschaltet.
~ENDE~