So, ich bin auch endlich fertig :) Ich musste das schreiben, ich liebe Geheimagenten und die Aufgabe hat mir sehr geholfen. Übrigens schreibe ich nicht immer so. Textkritik erwünscht (3,5k :grin:)

Protokoll

15th Octobre 2016, secret service MI6, quartation 245-S, Laggan, room H307, 5 persons
Die Tür öffnet sich. Vier Personen betreten den Raum und die Tür schließt sich wieder. „Mrs. Richard, sie hier?“ Bevor sie antwortet, auf einmal ein lauter Knall, Rauch breitet sich aus, überall Rauch. Ein zweiter Knall, ein Schuss. Endlich geht die Tür auf, vier Personen gehen hinaus. Nur eine fehlt, Mrs. Richard. Lüftung an, zurück hinein. Einschuss direkt über dem Herzen, sofort tot.
Der Rauch lichtet sich, die vier sehen sich an. Grimes erhebt die Stimme: „Nur wir waren hier, also wer war es? Drei Agenten, ein Arzt.“ Ein Blick durch die Runde. Grant, der Doktor hier auf dem Gelände, hebt die Augenbrauen: „Mit der Verwaltung habe ich so gut wie nichts zu tun.“ „Das spielt erst einmal keine Rolle, das erste was wir nun tun ist dem Chef das Ereignis zu berichten.“, entgegnet Dewey, der Jüngste unter ihnen mit seinen 35 Jahren. „Ich stimme zu“, antwortet Hayman, der das erste Mal ein Wort sagt. „Warten sie noch einen Moment, ich führe eine kurze Überprüfung durch“, sagt Grimes, die einzige Frau, und kniet sich neben die Leiche. Mrs. Richard liegt etwas verkrümmt auf dem Boden und starrt gegen die Decke. „Mrs. Richard, verdrehte Position, Einschussloch direkt über dem Herz, wahrscheinlich sofort tot. 15.34 Uhr, 15.Oktober 16.“, spricht sie in ein Diktiergerät, das sie aus ihrer Jackeninnentasche genommen hat. Die Männer stehen abwartend neben der Tür und sehen ihr zu. Grant verschränkt die Arme, Dewey tippt ungeduldig mit dem Fuß auf den Boden und Hayman sieht sich mit neutralem Blick im Raum um. Eine Sekunden später steht Grimes auf, steckt das Diktiergerät wieder weg und nickt den Anderen zu. Dewey, der am nächsten an der Tür steht, öffnet sie und einer nach dem anderen folgt ihm aus dem Raum heraus.

15th Octobre 2016, room H 188, 5 persons
Ein Klopfen. Eine tiefe Stimme als Antwort: „Herein“. Die drei Agenten und der Arzt treten hintereinander in den Raum ein, dessen Rollladen geschlossen und außer kleinen Schlitzen das einzige Licht der glühende Stummel einer Zigarette ist. Der Mann hinter dem Schreibtisch ist nicht zu sehen, doch daran sind sie schon gewöhnt. Einzig hören kann man ihn. Er erhebt wieder seine leicht dröhnende Stimme: „Nun, was haben sie zu sagen.“ Atemzüge verschiedener Personen sind zu hören, dann räuspert Grant, der Arzt, sich: „Wir, Dewey, Grimes, Hayman und ich, Grant, traten in einen Verhörraum, als eine Rauchbombe auslöste und wir den Raum verlassen mussten. Kurze Zeit später kamen wir erneut herein und Mrs. Richard aus der Verwaltungsabteilung lag tot auf dem Boden. Zuvor hörten wir einen Schuss. Der Herzstillstand trat vermutlich sofort ein.“ Der Vorgesetzte pafft ein paar Mal und bläst den Rauch den Agenten entgegen. Erst dann erhebt er die Stimme: „Ungewöhnlich, aber interessant. Wir haben einen Mörder unter uns. Was waren die Umstände, als sie in den Raum kamen und was wollten sie dort? Sahen sie Mrs. Richard am Anfang? Sollte sie an ihrem Treffen teilnehmen?“ Papier raschelt und jemand hustet. Kurz drauf ergreift Hayman das Wort: „Wir fanden sie dort vor und ich hatte vor nach ihren Absichten zu fragen, dazu kam es aber nicht mehr. Wir wollten eine Besprechung zur neuen Operation Q15-Japan abhalten, Mrs. Richard war nicht eingeweiht und hatte nichts mir der Operation zu tun.“ „Gut, was ist ihr weiteres Vorgehen?“ Alle bleiben still. Niemand von ihnen hat so etwas je erlebt und schweigt lieber. „Ich werde es ihnen vorschreiben, ich will höchste Diskretion. Eine Verbreitung könnte schwere Folgen für unser Quartier und die ganze Organisation haben. Sie behalten also alles für sich. Warten sie bis nach 18 Uhr und schaffen sie dann die Leiche in die Pathologie. Benachrichtigen sie jemanden, der sie bis spätestens morgen Mittag untersuchen kann und weihen sie ihn nur zur Not ein. Sie vier begeben sich in denselben Raum und klären den Fall auf. Kommen sie nicht heraus, bis sie den Mörder haben, auch wenn es Tage dauert. Anschließend will ich informiert werden.“ Die vier sind empört, beschweren sich aber nicht, niemand will sich verdächtig machen. Sie spüren, dass das Gespräch beendet ist und begeben sich aus dem Raum.

15th Octobre 2016, room H307, 4 persons
Die Anweisungen des Chefs sind erledigt und alle vier sitzen am Tisch im Raum, in dem der Fall seinen Lauf genommen hat. Hayman neben Grimes, Grant gegenüber von Grimes und Dewey neben Grant. Die Stimmung ist sicher angespannt, schließlich könnte jeder der Mörder sein und nach einem ganzen Arbeitstag sind alle sichtlich müde. Einer mustert den anderen und keiner will einen Anfang machen. Dewey gibt sich einen Ruck und fragt sichtlich schlecht gelaunt in die Runde: „Also, da wohl niemand Lust hat hier zu sitzen, versuche ich das etwas zu beschleunigen bevor wir hier morgen immer noch schweigend sitzen. Ich denke wir beginne damit, dass jeder aufzählt, wann er mit Mrs Richard das letzte Mal zu tun hatte und vielleicht hat jemand eine Ahnung, wieso sie sich hier in diesem Raum aufgehalten hat und wollte es nur unserem Boss vorenthalten. Wer beginnt?“ Alle Augen liegen auf Grant, der in seiner Jackentasche kramt und schließlich einige gefaltete Blätter auf den Tisch legt. Er setzt noch seine Brille auf und erklärt: „Dienstplan“. In Ruhe faltet er seinen Plan auf und meint schließlich: „Mrs Richard habe ich zuletzt vor etwas mehr als einer Woche behandelt. Sie klagte über Schmerzen im Genitalbereich. Ich fand aber nichts Ungewöhnliches.“ Er klappt die Blätter wieder zusammen, lässt sie aber liegen und blickt dann zu Grimes. Die Frau kratzt sich über der Augenbraue und scheint zu überlegen. Sie meint: „Ich habe mit ihr zusammengearbeitet in Operation S34-Südkorea. Sie führte das Protokoll und gab mir meine Instruktionen. Das müsste vor ungefähr zwei Monaten gewesen sein.“ Sie verstummt plötzlich und dreht ihren Kopf zu Hayman. Dieser schweigt auch zunächst, holt Pläne aus seiner Tasche und mustert sie eingehend. Da mischt sich Grant ein: „Da ich nichts zu tun habe, könnte ich die Fakten auf dem Whiteboard festhalten“, er zeigt auf eine weiße Tafel neben dem Tisch, „Irgendwelche Einsprüche?“ Grimes erwidert: „Gute Idee!“, Dewey nickt nur zustimmend und Hayman zeigt keine Reaktion. Also erhebt sich der Arzt, nimmt einen speziellen Stift in die Hand beginnt zu schreiben. Hayman runzelt die Stirn und macht dann „Hm“. Er fährt mit der Hand durch seine braunen Haare und kratzt sich an der Stirn. Dewey sieht ihn fragend und ungeduldig an, was dieser jedoch nicht bemerkt.

Schließlich hebt er den Kopf und verkündet: „Ich war auch auf einer Mission.“ Grimes bestätigt dies sofort, vielleicht ein wenig zu schnell: „Stimmt, das habe ich ganz vergessen, da war ich mit dir in Südkorea.“ Die beiden werfen sich einen Blick zu, den außer ihnen niemand versteht und auch keine Bedeutung zuschreibt. Dewey runzelt die Stirn und schnappt sich kurzerhand Haymans Pläne, schneller als dieser reagieren kann. Alle Personen im Raum scheinen die Luft anzuhalten, nur Dewey macht von Zeit zu Zeit „Aha“. Plötzlich knallt Dewey den Plan auf den Tisch und schreit: „Mission, aha, wieso ist diese hier nur in Handschrift festgehalten? Wohl eine geheime Mission, was? Ich sehe doch wie du lügst! Was hast du in Südkorea getrieben? Oder warst du überhaupt dort, Grimes ist nur deine Zeugin?“ Grimes ist zusammengezuckt bei der lauten Stimme und faltet nervös ihre Hände. Dewey stützt langsam seine Hände auf dem Tisch auf, erhebt sich und blickt zwischen Grimes und Hayman hin und her. Hayman sagt mit ruhiger Stimme: „Ich gebe zu, ich hätte nicht nach Südkorea dürfen, es war eine persönliche Entscheidung, die nicht genehmigt war. Aber Grimes hat meine Hilfe benötigt und ich wusste, dass sie jemand anderen hinschicken würden, ich war gerade erst von einem anderen Auftrag zurück. Außerdem habe ich die chronologische Reihenfolge der Vorbereitung korrekt eingehalten. Grant, sie können das bestätigen!“ Dewey meldet sich wieder zu Wort, zwingt sich aber zuerst, sich wieder in seinen Stuhl zurücksinken zu lassen: „Sie wissen, dass sie das verdächtig macht, Hayman? Ich könnte mit Ihnen wetten, dass Richard Wind davon bekommen hat, als sie sich die Akten angesehen hat, schließlich war sie für diese Operation zuständig. Sie werden es schließlich irgendwo vermerkt haben müssen, dass sie in Südkorea sind. Es hätte sie ihren Job kosten können, wenn es aufgeflogen wäre, kann es immer noch, ich warne sie!“ Grant macht mit einem Räuspern auf sich aufmerksam und meint dann: „Am 9. August habe ich bei Hayman eine Vor-Untersuchung durchgeführt, ich kann es also bestätigen.“ Der Arzt zieht ein Tuch aus der Tasche und putzt damit seine Brille. Ohne diese wirkt er noch einmal älter, als er ohnehin schon durch seine grauen Haare und die Falten aussieht. Er seufzt, als Grimes sagt: „Sie können uns vertrauen, wir wollen niemanden belügen, aber das war ein gerechtfertigtes Vorgehen. Ich war schon ein paar Wochen dort und in einer verzwickten Lage. Da flog Hayman zu mir und half mir ein paar Tage, keine längere Zeit. Wann sind Sie eigentlich das letzte Mal mit Richard in Kontakt gekommen? Wollen sie eventuell von sich ablenken?“ Es ist offensichtlich, dass die Frage an Dewey gerichtet ist, der in diesem Moment rot anläuft. Diesmal antwortet er gefährlich leise: „Bleiben wir beim Thema. Könnte es sein, dass zufällig sie vom Thema ablenken?“, er schlägt mit der Faust auf den Tisch, „Rücken sie endlich mit der Wahrheit heraus! Sie beide belügen uns doch gewaltig, wir haben einen Mordfall aufzuklären, verdammt noch mal! Also, was haben sie zu sagen? Ich höre.“ Er verschränkt die Arme und zieht die Augenbrauen nach oben.

„Wir sind verheiratet, Hayman und ich.“, lässt Grimes wie beiläufig fallen. „In Südkorea hielten wir die Hochzeit ab.“, fügt sie hinzu. Danach zückt sie ein IPad, setzt ein provokantes Lächeln auf und sagt leise: „Das haben wir doch gleich“ Dewey bleibt der Mund offen stehen, Grant murmelt: „Was hätte ich auch anderes erwarten sollen…interne Regeln werden hier einfach nicht beachtet.“ Er wendet sich ab und seufzt erneut. Grimes starrt konzentriert auf den Bildschirm und liest vor: „Simon Dewey, Aufgabe: Verwaltung Operation S34, letzter eigener Auftrag: vor vier Monaten…“ Hayman horcht verwirrt auf: „Was haben sie getan um vier Monate keinen Auftrag zu bekommen?“ Dewey schweigt, kramt aber in einer Tasche herum und zieht einen Joint heraus. Grant meldet sich zu Wort: „Das kann ich ihnen beantworten, weil ich daran beteiligt war. Ich war ziemlich verwundert, deswegen weiß ich das noch. Als der werte Herr vor vier Monaten zu mir kam, um sich vor einer Mission durchchecken zu lassen, fand ich Rückstände von Drogen in seinem Blut. Er stritt zwar alles ab und behauptete, jemand hätte ihn bei seinem vorherigen Auftrag damit abgefüllt. Es reichte allerdings aus um ihn für ein paar Monate von allen Operationen zu suspendieren und zu degradieren.“ Hayman pfeift durch seine Zähne und auch Grimes hebt erstaunt die Augenbrauen. „Sie sind wohl auch nicht so scheinheilig, wie sie tun, Dewey? Vielleicht ist eine Heirat unter Agenten nicht erlaubt, aber Drogen beim Dienst, Respekt, jemandem wie Ihnen, der noch am Anfang seiner Karriere steht, hätte ich das nicht zugetraut.“ Keine Reaktion von Seiten Deweys. Seine versteinerte Miene und sein schwarzes Haar tragen nicht dazu bei Sympathie zu verbreiten. Inzwischen hat er seinen Joint angezündet und bläst Rauchschwaden ins Zimmer.

„Sie hätten damit auch ein Motiv, nicht? Ich weiß zwar nicht, wieso sie dann Richard umbringen, vielleicht wollten sie auch illegal auf eine Mission und Richard überreden mit ihnen zu kooperieren. Sie blockte jedoch ab und sie waren somit ziemlich wütend auf sie, nicht? Und jetzt hören sie auf zu rauchen, wir bekommen noch eine Rauchvergiftung, so klein ist der Raum. Wissen Sie nicht, dass es hier Rauchmelder gibt?“, schimpfte Grimes und wedelte angeekelt mit einer Hand vor ihrem Gesicht herum. „Völliger Quatsch, ich habe nicht einmal eine Pistole, schon seit Tagen, jemand muss sie mir gestohlen haben“, er zeigte auf sein leeres Holster an seiner Hüfte, „Rauchmelder sind aus und Klimaanlage an. Denken sie ich bin dumm?“ Unbeeindruckt zieht er weiter an seiner Zigarre. Nun verschränkt Hayman die Hände vor seiner Brust und sagt: „Ich glaube ihnen nicht, Dewey. So drogensüchtige Typen wie sie können überhaupt nicht lügen. Geklaut, Pf, sie haben sie vorhin entsorgt, so einfach ist das! Packen sie schon aus, Sie…“ Dewey platzt der Kragen und unterbricht Hayman, indem er den Joint in seinen Mundwinkel steckt und Hayman am Hemd packt. „Sie Dreckskerl, hören sie auf mich zu beleidigen!“, presst Dewey heraus. Grimes öffnet den Mund, um die beiden zu unterbrechen, aber Grant ist schneller. „Ich war es!“ ruft er dazwischen, „Ich habe sie umgebracht“. Alle im Raum halten inne und starren den Arzt an. Grimes findet als erste die Sprache wieder: „Grant, Sie? Aber…“ Grant unterbricht sie und entgegnet: „Ja, ich. Vorgestern hörte ich Geräusche vor meinem Zimmer und sah heimlich hinaus. Dewey stand draußen und legte seine Pistole neben meinem Zimmer auf einen Tisch. Er sah sich um und verschwand dann wieder. Ich weiß nicht, was er sich dabei dachte, aber er hatte sie ganz sicher nicht dort vergessen. Ich nahm sie an mich und erschoss sie heute damit.“ Er verstummt und lässt mit seinen wenigen Worten verwirrte Gesichter entstehen.

Grimes fragt: „Was ist ihr Motiv? Ich verstehe nicht ganz, wieso sie das getan haben.“ Auch die anderen warten gespannt auf eine Antwort. Grant holt tief Luft und antwortet dann: „ Sie wissen ja, ich habe Mrs. Richard wegen Schmerzen im Unterleib behandelt. Ich fand allerdings heraus, dass sie schwanger war und ein Kind erwartete. Sie war erst geschockt, freute sich dann aber auf das Kind. Als ich sie fragte, von wem das Kind sei, hatte sie keine Antwort. Ich war neugierig und wollte es selbst wissen. Da ich wusste, dass sie zwar verheiratet, ihr Mann allerdings zeugungsunfähig war, könnte es ein Agent gewesen sein, einer mit dem sie täglich zu tun hatte. Ich sammelte DNA-Proben, unter anderem die von Dewey und Hayman. Ich verglich sie mit der DNA des Kindes und raten sie mal, wer der Vater ist?“ Er lächelt und legt den Stift beiseite. „Ich werde Vater?“, rutscht es Hayman offensichtlich heraus und reißt die Augen auf. Dewey grinst schelmisch und sagt: „Ups“ Plötzlich geht alles sehr schnell: Grimes schlägt Hayman mit der Faust mitten ins Gesicht und fängt dann an zu schreien: „Du hattest eine Affäre mit der? Bin ich dir nicht gut genug? Dann sei nicht so feige und sag es mir. Wir sind erst seit zwei Monaten verheiratet und du erwartest schon ein Kind von einer anderen?“ Während Grimes ihrem Ehemann eine Szene macht, steht Dewey seelenruhig auf, die Schadenfreude in Gesicht geschrieben, und versenkt die mittlerweile heruntergebrannte Zigarre in einem Mülleimer in der Ecke. Dann holt er Handschellen aus seiner Tasche und legt sie Grant an, der ihm kooperativ die Hände hinhält. Grant setzt sich und Hayman versucht, seine Frau zu beruhigen: „Schatz, ja, ich hatte eine Affäre, aber es war ein einmaliger Ausrutscher, das musst du mir glauben. Wir müssen uns jetzt auf den Fall konzentrieren, ich will wissen wieso Dewey seine Pistole dort hingelegt hat.“ Er wirft einen wütenden Blick zu Dewey.

Grimes will dem etwas entgegensetzen, aber Grant kommt ihr wieder zuvor und mischt sich ein: „Ich gebe Hayman recht. Ich kann sie sehr gut verstehen, Grimes, aber ich war noch nicht fertig mit der Erklärung: Also, als ich den Vater hatte, wollte ich Richard nichts sagen und sie vor einem Ehestreit bewahren. Ich weiß nicht, was mich damals angetrieben hat, ich bereue es jetzt. Vor zwei Wochen traf ich Richard wieder und betäubte sie unter dem Vorwand, ihr Kind untersuchen zu wollen. Stattdessen leitete ich die Abtreibung ein. Richard wollte mich natürlich danach verklagen, was mich meinen Job kosten würde. Ich bin kein Mensch, der einfach jemanden umbringt, aber als ich sie vorhin so unerwartet hier sah und die Rauchbombe los ging, nahm ich die Pistole, die immer noch in meiner Kitteltasche war, heraus und schoss in ihre Richtung. Es war reiner Zufall, dass ich sie getroffen habe.“ Nun spannt sich Grimes Gesicht an und ihre Wut richtet sich gegen Dewey: „Ha, ich weiß jetzt wieso sie das getan haben! Sie wollten sich an Grant rächen und wollten, dass er mit der Pistole jemanden erschießt.“ Nun ist sie diejenige, die grinst. „Ich verstehe, aber nicht ganz…“, meint Hayman. Grant erklärt: „Dewey, ich bin enttäuscht von Ihnen. Ich fragte mich nach dieser Drogengeschichte schon, ob sie ein geeigneter Agent sind. Aber nun, das ist wirklich nicht zu fassen! Jemandem eine Pistole unterzujubeln ist fast noch schlimmer als einen Mord zu begehen. Woher wussten sie von meinen Tätigkeiten und ihren Absichten?“ Dewey antwortet gelangweilt: „Manche Menschen plaudern gerne über privates bei der Arbeit. Auch über so etwas. Ich gehöre nicht dazu.“ „Das klingt plausibel.“, murmelt der Arzt. Hayman scheint nun langsam alles zu begreifen, denn er springt auf, macht einen Schritt auf Dewey zu und schiebt dann seinen Stuhl mit einem Krachen gegen die Wand. Die übrigen Beteiligten zucken zusammen. Dewey versucht handgreiflich zu werden, Hayman unterbindet jedoch den Versuch, indem er ihn mit einer Hand an seinen Stuhl kettet und zurückweicht. Rasend vor Wut schüttelt Dewey seine Hand um sie zu befreien und schreit: „Was soll das zum Teufel?“ Hayman beschränkt sich auf Drohungen und die Begründung: „Anstiftung zum Mord ist auch ein Verbrechen.“ Grimes steht auf und sagt sanft: „Adam, hör auf.“

Alle verstummen plötzlich, als es klopft. Alle drehen sich um und Grimes ruft: „Ja?“ Die Tür öffnet sich einen Spalt und ein Mann mit einer Glatze schaut herein. Es ist der Pathologe des Hauses. „Alles okay bei ihnen?“, fragt er, die Verwirrung ist ihm anzusehen. „Ja, alles im grünen Bereich“, antwortet Grimes, „Haben sie einen Bericht für uns?“ „Genau, deswegen bin ich hier“, sagt er und überreicht Grimes eine dünne Mappe, „Ich denke sie können es sich selbst durchlesen, ich würde jetzt gerne meinen Schlaf nachholen.“ Ohne eine Antwort abzuwarten verschwindet er im selben Moment wieder. Grimes liest schweigend. Als sie fertig ist übergibt sie den Bericht ohne eine Äußerung an Hayman. Dieser beginnt zu reden: „Also, ich versuche während dem Lesen zusammen zu fassen. Warten sie einen Moment…Sie verstarb an dem Schuss, wie vermutet…“ Er schweigt und runzelt die Stirn, immer mehr je weiter er kommt. „Also“, sagt er anschließend, „wir haben einen weiteren Mörder unter uns.“ „Wie meinen sie das?“, fragt Grant.
„Wenige Stunden vor ihrer Ermordung wurde sie vergiftet.“

16th Octobre 2016, parking space, unknown number of persons
Grimes sitzt auf der Kante an den Hintertüren eines Transporters, in dessen Inneren Grant Platz genommen hat. Hayman steht vor ihr und hält ihre Hände, die in Handschellen liegen. Die vier hatten noch bis zum Morgengrauen diskutiert, wer nun Mrs Richard vergiftet hat, bis sie die Wahrheit herausgefunden hatten. Grimes hatte längst von der Affäre erfahren und auch von seinen Problemen mit Dewey und Richard, die wegen seiner geheimen Mission gegen ihn vorgehen wollten. Grimes hatte eine große Wut und konnte fast alle ihre und Haymans Probleme aus der Welt schaffen, indem sie heimlich Gift in Richards Getränk mischte, das nach einiger Zeit nicht mehr nachweisbar war.
„Und du hast das wirklich getan?“, fragt Hayman leise.
„Ja, ich dachte nur, es würde uns helfen. Bist du sauer auf mich, weil ich fast die Schuldige gewesen wäre?“, sagt sie und senkt den Kopf.
„Jetzt ist keine Zeit für Schuldgeständnisse. Schließlich sind wir Agenten. Obwohl, wenn ich überlege, ich glaube sie war im Raum, weil sie mit mir sprechen wollte. Jedenfalls wollte sie das vorgestern noch. Ich bereue unsere Hochzeit nicht, aber ohne die geheime Mission wäre das alles nicht passiert.“, sagt Hayman bedauernd.
„Ach, Adam. Das Schlimmste wäre, dass ich jetzt ein Mörder wäre, wenn Grant mir nicht zuvorgekommen wäre.“, sagt sie und fängt an zu lachen. Schnell darauf wird sie wieder ernst und entschuldigt sich: „Tut mir leid, es ist einfach so, das kommt mir alles unwirklich vor, so seltsam.“
Er seufzt. „Ich verstehe dich. Am Anfang wollten wir nur den finden, der sie umgebracht hat, jedenfalls ich, ich hatte ja noch am wenigsten damit zu tun. Jetzt können wir alle nicht mehr arbeiten. Ich wegen der Hochzeit, Grant wegen Mordes, Dewey wahrscheinlich wegen Anstiftung zum Mord und du wegen versuchtes Mordes. Wenn ihr alle ins Gefängnis kommen solltet, bin ich der einzige freie Vogel von uns vieren. Wie seltsam das Schicksal manchmal ist.“
Ein Kollege stellt sich neben Hayman und raunt im ins Ohr: „Noch eine Minute, höchstens.“ Dieser nickt und der Kollege verschwindet wieder.
„Eine Frage: Wieso hast du dann so ein Geschrei gemacht, wenn du von der Affäre wusstest?“ Adam sieht sie fragend an.
„Jeder versucht einmal von sich abzulenken, unser Job, du verstehst“, erklärt sie und weicht seinem Blick aus. Stattdessen sieht sie zum Sonnenaufgang, der sie blendet. Eine Träne läuft ihre Wange hinab. Er nimmt sie in den Arm, gibt ihr einen Kuss und flüstert ihr dann ins Ohr: „Ich werde auf dich warten und danach bekommen wir das gemeinsam hin. Wir werden zusammenhalten. Immer.“
„Verzeihst du mir?“
„Klar, unter einer Bedingung.“
„Welche?“
„Du tust das nie wieder.“
„Okay.“
Sie lösen sich voneinander, sie klettert in den Wagen. Ihre blonden Haare leuchten im Licht und sie sieht sich ein letztes Mal um. Die Türen schließen sich und der Wagen fährt ab. Er bleibt alleine zurück. „Fall abgeschlossen, würde ich sagen.“, murmelt er, dreht sich um und geht der Sonne entgegen.