Glaubst du, dass heutzutage jeder ein Autor werden kann?

Cornelia Funkes Antwort:
Sicher - dem Namen nach. Aber wenn du das Schreiben als Kunst oder gar Berufung verstehst, ist die Antwort nein - ausser du glaubst, dass auch jeder ein guter Geigenspieler oder Maler werden kann. Es gibt leicht den Irrglauben, dass jeder ein Geschichtenerzähler ist, nur weil jeder früh schreiben lernt. Ja, wir alle haben etwas zu erzählen! Das stimmt. Aber um es zu seinem Handwerk zu machen, davon zu leben und es schliesslich als Kunst zu begreifen, braucht man Begabung, die übers Tagebuchschreiben hinausgeht, unendlich viel Geduld, Disziplin, Selbstkritik (jeder Text muss mindestens 5-10 mal umgeschrieben werden, bevor ihn ein Lektor sieht) und eine grosse Portion Besessenheit. Ausserdem glaube ich, dass die meisten grossen Autoren sich als Stimme für die anderen begreifen, dass sie nicht nur sich selbst ausdrücken wollen, sondern die Welt in Worte zu fassen versuchen - für all die, die solche Worte nicht finden. Das ist eine grosse Verantwortung. Geschichten können Schutz und Hoffnung bieten, Trost spenden, aber auch sehr grundsätzliche Fragen stellen, Weltbilder und Leben erschüttern…. Es ist kein Zufall, dass unsere Vorfahren an Zauberworte glaubten! Und dann muss das Schreiben natürlich auch noch unendlich viel Spass machen, berauschen, erfüllen….kurz das sein, was du tun willst. Immer, überall:)