Das große Drängeln oder: Warum du bestimmte Typen für deinen Roman brauchst

Da du wie ich Romane und Geschichte schreibst, kennst du wahrscheinlich mein Problem: Da drängelt sich Charakter B in den Vordergrund. Bisher noch still und heimlich in der Ecke gestanden, hüpft er winkend vor mir herum und verlangt eine größere Rolle. Und wo einer meint, es sei mehr zu holen, sind die anderen auch nicht weit … Und die Gestalt, die mir seit gestern im Kopf herumspukt, die würde doch auch gut rein passen …

Dummerweise gefällt mir die Idee, die er mir vorschlägt. Sehr gut sogar. Ich habe also zwei Möglichkeiten: 1. ihm die neue Rolle zu geben, oder 2. ihn da zu lassen, wo er ist.

Und damit ich nicht plötzlich einen Haufen neuer Helden und Antagonisten habe, andere überflüssig sind und meine Zahl an Charakteren die von Game of Thrones übersteigt, gibt es die Archetypen.
Die Kategorisierung der Charaktere.
Du drückst deinem Charakter einen Stempel auf. Manchmal auch mehrere. Die Archetypen sind nämlich keine steifen Gefängnisse, sondern sie sind weich und biegsam. Allerdings nicht zu biegsam, dass sie sich auflösen.

Die Archetypen

Der Held
Er ist der Held deiner Geschichte und somit eine der zentralen Figuren in deiner Geschichte. Vor allen anderen solltest du darauf achtgeben, dass er eine Entwicklung durchmacht. Wichtig ist auch, dem Helden nicht nur Stärken, sondern auch Schwächen mitzugeben. Glorreiche Helden ohne Makel haben die Angewohnheit, auf die Nerven zu gehen (mir zumindest).

Der Schatten
Besser geläufig ist der Schatten als Gegenspieler oder Antagonist. Er ist die zweite zentrale Figur in deiner Geschichte – nur auf der gegnerischen Seite. Er ist der Gegenpol deines Helden. Wie der Held hat auch er ein Ziel vor Augen, meist steht es im Gegensatz dazu (z.B. der Held will die Welt retten, der Schatten will die Welt zerstören). Um dem Helden daran zu hindern, sein Ziel zu erreichen, arbeitet der Schatten entweder aktiv (persönlich) oder passiv (durch andere) gegen ihn. Dies aber ist nicht nur die einzige Eigenschaft des Schattens. Auch er sollte als Charakter mit Stärken und Schwächen, mit Träumen und Vorlieben gestaltet werden.

Der Mentor und Ratgeber
Dieser Charakter übernimmt eine lehrende Funktion und steht dem Helden in der Geschichte mit Ratschlägen und aktiver Hilfe zur Seite. Mentoren findet man meist an der Seite der Helden, dennoch sind sie auch auf der Seite des Schattens zu finden.
Die Aufgabe des Mentors ist es, seinen Schützling zu bestärken und ihm das „Rüstzeug“ für seinen Weg mitzugeben.

Der Herold
Ein Herold war so etwas wie ein Bote der Ritter bzw. eines Fürsten, der Nachrichten in seinem Fürstentum überbrachte. Meist waren es keine erfreulichen Nachrichten, sondern ein Aufruf zum Krieg. Darum steht der Herold bei den Archetypen für den Auslöser des Abenteuers – den Grund, warum das Abenteuer beginnt.

Der Schwellenwächter
Der Schwellenwächter ist die Bezeichnung für die Hindernisse auf dem Weg des Helden. Diese „Schwellen“ sind wichtig für den Spannungsbogen, die Entwicklung des Charakters und der gesamten Geschichte. Sie sollten verschiedener Art sein (ein Kampf, eine Epidemie, ein gebrochenes Wagenrad), um Abwechslung und Spannung für die Leser zu geben und für den Helden eine Herausforderung zu bieten.

Der Verbündete
Als Verbündete werden alle Figuren bezeichnet, die während des Abenteuers dem Helden über den gesamten Zeitraum oder nur zeitweilig zur Seite stehen.

Der Gestaltwandler
Der Gestaltwandler ist die Person in deiner Geschichte, die im Laufe der Handlung seine Rolle ändert. Klassisches Beispiel hierfür ist die Wandlung vom Verbündeten zum Feind oder vom Feind zum Verbündeten.
Wichtig ist, dass die Wandlung nicht klar erkennbar ist, da der Wechsel der Rolle für den Leser überraschend kommen sollte.

Der Trickster
Die Bezeichnung Trickster kann man mit „Täuscher“ übersetzen – eine Person, der man gar nicht zutraut, etwas zur Geschichte beizutragen.
Meistens nimmt er eine neutrale Rolle ein und hat eine Fähigkeit, die dem Helden hilft, eine Situation zu meistern.

Erstmal: Muss ich die Typen alle verwenden?

  • Nein. Du musst deine Charaktere auch nicht nach den Archetypen einordnen. Durch die kleine Liste wollte ich dir lediglich aufzeigen, was für Typen es gibt – und ich bin mir sicher, dass es noch viel mehr gibt. Aber die hier aufgezählten sind charakteristisch für einen Roman, bedeutet, sie kommen zusammen am häufigsten vor.

Und: Du kannst die Typen auch Mischen!

  • Betrachte die Kategorien nicht als alleine für sich stehend. Du kannst sie auch miteinander kombinieren.
    Warum sollte der Mentor, der heute deinen Helden unterstützt, nicht früher ein Anhänger des Schattens gewesen sein? Vielleicht ist ein Schwellenwächter ein Gestaltwandler. Und was, wenn der Held auch der Herold ist?

Und Nr. II: Es müssen nicht immer Menschen sein!

  • Auch wenn die Bezeichnungen für die Gruppen menschlicher Natur sind, es gibt genügend Bücher, in denen die Menschen nicht immer die Hauptrolle spielen.
    Mir fällt dazu der eine Ring aus HDR ein: ein Gegenstand, der zugleich der Schatten ist. Überhaupt, Schatten: gerade dafür gibt es eine reiche Auswahl an nicht-menschlichen Charakteren. Roboter in der Science Fiction, eine psychische Erkrankung, eine Suchterkrankung, Cyborgs oder Wesen aus dunkler Magie …

Grafische Darstellung: Mindmap

0_1569567101014_Mindmap1.jpg
Ich nutze Mindmaps gerne, vor allem, wenn ich mir meinen Cast zusammensuche. Mit verschiedenen Farben mache ich kenntlich, wer wie mit wem in Verbindung steht und welche Rolle er einnimmt. Das Ergebnis ist meist ein buntes Chaos, das nur ich zu entschlüsseln vermag :D

Anders als beim Steckbrief, bei dem du dich nur mit einem Charakter befasst, befassen sich die Archetypen mit allen Charakteren, die in deiner Geschichte vorkommen sollten. Die Bezeichnung in der Beschreibung ist auf den Singular beschränkt. Dies vereinfacht die Erklärung, aber in deiner Geschichte können die Typen durchaus im Plural vorkommen (mehrere Schwellenwächter oder Mentoren zum Beispiel).


Zusammenfassung: Jetzt hast du die Gelegenheit, dir über die Besetzung deines Story-Casts klar zu werden. Mit Hilfe der Mindmap kannst du den Cast grafisch darstellen und die Beziehungen und Rollen verteilen. Probiere aus, wer aus deiner Cast welche Rolle einnimmt und welche Rollen sich vielleicht mischen lassen. Und ich verrate schon mal, dass hier auch die ersten Weichen für das spätere Plotting gestellt werden ;)

Bei Fragen zu der Aufgabenstellung wende dich an den Frage-Thread.
Die Event-Lounge ist der Ort, wo es Zeit zum Plaudern und Austausch über das Event, die Aufgaben und was sonst noch alles gibt.
Wenn du Feedback brauchst, kannst du einen Post im Feedback erwünscht-Thread hinterlassen. Die Antworten gibt es in der Lounge.
Du brauchst dringend ein Brainstorming oder möchtest anderen beim Brainstorming helfen?
Dann flink in die Roman-Rettungs-Kapsel!